Keine Kurse mehr für Reiche

Sozialministerin Altpeter will Elternkurse streichen und die Hilfen auf ärmere Familien konzentrieren. Die Kurse hätten vor allem Wohlhabende genutzt.

|

Das Programm "Stärke" für frischgebackene Eltern soll gestrafft werden. Sozialministerin Katrin Altpeter (SPD) plant nach eigenen Angaben, dass künftig keine Bildungsgutscheine für Elternkurse mehr ausgegeben werden. Kritik kam von CDU und FDP.

Die Mittel für die Gutscheine mit einem Zuschuss von je 40 Euro für den Besuch von Kursen summieren sich auf 1,1 Millionen Euro im Jahr. Grund für das Auflaufen der Hilfe nach 2013 ist, dass die Gelder vor allem von wohlhabenden Familien ohne spezielle Probleme beansprucht würden. Problemfamilien seien kaum erreicht worden. Dagegen bleibt der mit derzeit 3,3 Millionen Euro dotierte Programmteil erhalten, der gezielt Eltern in besonderen Lagen, etwa Alleinerziehenden oder Drogenabhängigen, helfen soll. Die Grünen im Landtag unterstützen die Überlegungen Altpeters. "Aber individuelle gezielte Hilfen für Familien in besonderen Lebenslagen müssen erhalten bleiben", sagte die Grünen-Politikerin Brigitte Lösch in Stuttgart.

Als Beispiele für niedrigschwellige aufsuchende Unterstützung nannte sie Familienhebammen und -begleiter, die Eltern mit Problemen bei der Betreuung ihrer Babys auch an Berater weiterleiten könnten.

Auch der SPD-Sozialexperte Rainer Hinderer hält eine Fortsetzung des Gutscheinsystems für nicht notwendig. Es gelte, sich auf Familien in Not zu konzentrieren, ansonsten seien Mitnahmeeffekte nicht zu verhindern.

Die CDU-Landtagsabgeordnete Elke Brunnemer warnte dagegen in den "Stuttgarter Nachrichten" vor einer Abschaffung der Gutscheine. "Es wäre zu kurz gegriffen, wenn man sich allein auf Familien in schwierigen finanziellen Verhältnissen beschränken würde." Eltern könnten auch unabhängig von ihrer materiellen Lage mit der Erziehung überfordert sein. Der liberale Sozialexperte Jochen Haußmann sprach von einem "Alarmzeichen": "Wer umfassenden Kinderschutz ernst nimmt, darf Investitionen in Bildung und in die Stärkung von Elternkompetenz nicht streichen." Es dürfe nicht nur auf aufsuchende Hilfe gesetzt werden. Die greife erst, wenn Probleme schon bestehen. Bildungsgutscheine wirkten auch vorbeugend.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Ringen um jeden Lehrling

Die Ausbildungszahlen bei der IHK bleiben praktisch stabil. Dafür sorgen nicht zuletzt Flüchtlinge, die auch den kriselnden Kochberuf retten. weiter lesen