Kein Fall für schwache Nerven

Heiko Schmid ist als Landrat in Biberach wiedergewählt worden. Seine Nerven wurden aber zum Bersten beansprucht. Sein Konkurrent Matthias Frankenberg (CDU) lag im zweiten Wahlgang noch vor ihm.

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"Ich hoffe, dass er in den nächsten acht Jahren weniger darunter zu leiden hat, dass er kein CDU-Mitglied ist." So sprach Hans-Petermann, Vorsitzender der Freien-Wähler-Fraktion, gestern nach der Landratswahl in Biberach, die unglaublich spannend verlief. "Das war für die Bewerber und ihre Familien eine ungeheure Belastung", bemerkte der CDU-Kreisrat und frühere Landtagsabgeordnete Franz Romer nach dem Urnengang.

Der parteilose Amtsinhaber Heiko Schmid erreichte erst im dritten Wahlgang mit 31 Stimmen die Mehrheit, sein Konkurrent, der Erste Landesbeamte im Landratsamt Zollernalbkreis, Mathias Frankenberg, kam auf 27 Stimmen. Im zweiten Wahlgang war Frankenberg sogar noch eine Stimme vor Schmid gelegen. "Biberach macht es spannend", sagte Schmid (54) in seiner Dankesrede. "Sie können sich vorstellen, dass mir während der Wahlgänge drei bis fünf Reden durch den Kopf gegangen sind." Der SPD-Bundestagsabgeordnete Martin Gerster atmete nach dem Wahl-Krimi auf: "Ich habe mit Schmid gelitten und bin jetzt sehr froh über den Ausgang." Die Bestätigung des parteilosen, "offen agierenden" Landrats ist Gerster zufolge gut für die politische Kultur im schwarzen Oberschwaben. Auch Petermann zeigte sich zufrieden. "Schmid hat gute Arbeit geleistet in den vergangenen acht Jahren", sagte der frühere Riedlinger Bürgermeister. "Wir haben schwere Dinge zusammen gestemmt", konstatierte Eugen Schlachter (Grüne). Deshalb gelte: "Never change a winning team." Selten hat eine Landratswahl in Biberach die Bevölkerung so elektrisiert. Folglich war die Sitzung des Kreistags auch sehr gut besucht. Im Sitzungssaal, in der Halle des Landratsamts und im Wartebereich der Kfz-Zulassungsstelle drängten sich die Leute.

Brisant war die Wahl deswegen geworden, weil die CDU, die mit Wilfried Steuer und Peter Schneider über mehrere Jahrzehnte den Landrat gestellt hatte, Schmid ablösen wollte. An der Kampagne gegen Schmid war insbesondere der Biberacher Landtagsabgeordnete und Sparkassenpräsident Schneider beteiligt. Die CDU-Kreise hatten Frankenberg ermuntert, sich zu bewerben. Und der war ganz nahe dran, die Wahl auch zu gewinnen.

Der Mann aus Balingen war laut Schlachter "ein ehrenwerter Kandidat". Allerdings wirkte Frankenberg in seiner Bewerbungsrede nach Ansicht von Beobachtern etwas hölzern. Im ersten Wahl lag Schmid mit 28 Stimmen um drei Stimmen vor Frankenberg. Was aber viele irritierte, waren die fünf Enthaltungen. Sie wurden von Beobachtern als Schuss vor den Bug und als Denkzettel für Schmid gewertet. Ein Durchmarsch gleich im ersten Wahlgang sollte wohl verhindert werden.

Schmid zitierte zum Schluss Manfred Rommel. Der hatte gesagt: "Wählet mich, dann seid ihr mit keinem anderen beschissen."

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