Katrin Altpeter: Partei fehlt Glaubwürdigkeit

Katrin Altpeter holt hörbar Luft am Telefon: "Ich wäre gern Abgeordnete geblieben, aber auch so ist Demokratie."

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Die Sozialministerin hat es doppelt, ja dreifach getroffen: Ihre SPD regiert nicht mehr, ihr Mandat im Wahlkreis Waiblingen ist weg - und die langjährige Beziehung zum ebenfalls am 13. März gescheiterten Fraktionskollegen Florian Wahl zerbrochen. "Ich muss mich neu orientieren, wo und wie ist noch offen", sagt die 52-jährige alleinerziehende Mutter.

15 Jahre lang hat sich Katrin Altpeter im Landtag um Sozialpolitik gekümmert, die letzten fünf Jahre als Ministerin für Arbeit, Sozialordnung, Familien und Senioren. "Für die Menschen und das Land" war ihr Motto. "Ich bin stolz, wir haben unglaublich viel hingekriegt", sagt sie, fest davon überzeugt, "dass sich in der Sozialpolitik mehr bewegt hat als je zuvor." Es folgt eine schier nicht endende Aufzählung vom Psychiatriegesetz, über die Landesheimbauverordnung bis zum Armuts- und Reichtumsbericht. Keine Frage, im Haus an der Schellingstraße war man fleißig. Und die Ministerin, eine gelernte Altenpflegerin, genoss Respekt. Im Hinblick auf diese Bilanz ist sie "zufrieden - und das ist viel für eine Schwäbin".

Dass die oft auch ein wenig sperrig daherkommenden Themen medial selten im Fokus standen, mag auch an den mangelnden Selbstdarstellungsqualitäten der Ressortchefin gelegen haben. Mehr schmerzt Altpeter bis heute, dass die ihr so wichtige Frage der sozialen Gerechtigkeit im Kabinett, aber auch in der SPD-Fraktion selten oben auf der Tagesordnung stand. "Die Diskussion übers Jagdgesetz war wesentlich intensiver als über manches sozialpolitische Thema."

Fassungslos macht Altpeter der Verlust des letzten SPD-Direktmandats in Mannheim-Nord. "Das war doch unsere Bastion, aber wir haben den kleinen Mann, die kleine Frau eben nicht mehr erreicht."

Die desaströsen 12,7 Prozent, die die SPD bei der Wahl gerade noch holte, sind für die Noch-Ministerin die Quittung für ihr Glaubwürdigkeitsproblem, das sie seit Kanzler Schröders Agendapolitik habe. Die parteiinterne Debatte über nötige personelle Konsequenzen steht bei Altpeter nicht im Vordergrund: "Wir müssen entscheiden, über welche Inhalte die SPD wahrgenommen werden soll." Wie sie sich festlegt, verwundert nicht: "Nullverschuldung ist nicht ihr Markenzeichen, soziale Gerechtigkeit schon."

Damit es dieses Mal nicht wie so oft schon nach dem Motto "blöd gelaufen, aber wir machen einfach weiter" gehe, "werde ich mich einmischen". Altpeters Stimme in der Partei ist nicht irgendeine. Im vergangenen Oktober wurde sie mit dem besten Beisitzerergebnis in den Landesvorstand gewählt.

Im Ministerium und Wahlkreisbüro steht jetzt "Aufräumen und Abschiednehmen" an. Auf ihrer Homepage sieht man Altpeters rabenschwarzen Kurzhaarschnitt-Kopf von hinten: "Der Blick geht nach vorn", steht dort.

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