Kampfeslustig aus dem Kloster

Mit der Klausur im Kloster Schöntal nördlich von Heilbronn stimmte sich die CDU auf den Wahlkampf ein. Am 13. März hält Spitzenkandidat Guido Wolf die Machtübernahme für "greifbar".

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Im Flur der einstigen Zisterzienserabtei, zwei Etagen über dem Grab des rauhbeinigen Götz von Berlichingen, war der Appell von Guido Wolf deutlich zu hören: "Kämpfen, kämpfen, kämpfen", forderte der CDU-Spitzenkandidat die Mandatsträger und Führungscrew seiner Partei auf. Im Kloster Schöntal (Hohenlohekreis) treffen sich seit 2007 CDU-Abgeordnete aller Parlamente sowie Geschäftsführer und Kreisvorsitzende zur Klausur, zum Gedankenaustausch, zum Mutmachen und, wie dieses Mal, zur Vorfreude auf den Machtwechsel. Guido Wolf sprach von der "greifbaren Chance" einer Regierungsübernahme am 13. März.

Geht es nach den Schwarzen, war Grün-Rot nichts weiter als "eine historische Episode in Baden-Württemberg". Dass die Umfragewerte der CDU auf, je nach Institut und Zeitpunkt, 35 oder gar 34 Prozent gesunken sind und sich damit den noch im Steigflug begriffenen Grünen annähern, kann Wolf nicht zufrieden stimmen. Unterkriegen lassen möchte er sich so wenig wie die Gefolgsleute. Das Signal von Schöntal lautet: "Jetzt erst recht."

Die Situation beflügelte die Eintracht, ließ keine Fundamentalkritik aufkommen. "Wir sind geschlossen im Aufbruch", stellte nicht nur die Landtagsabgeordnete Friedlinde Gurr-Hirsch strahlend fest. Doch bei ihrem eigenen Werbeauftritt war am Sonntag herauszuhören, warum mancher Christdemokrat noch immer die Zähne zusammenbeißen muss. Thomas Strobl, betonte Gurr-Hirsch, habe zwar die CDU "zu einer Mitmachpartei umgeformt", aber er habe dafür "nicht den Dank bekommen, den er verdient hat". Gemeint ist jene Spitzenkandidatur, die nach einem Mitgliedervotum Guido Wolf ergattert hat.

Strobl, der Landesvorsitzende, habe in Schöntal eine seiner besten Reden gehalten, lobten Zuhörer. "Der Thomas ist staatsmännisch gereift", war im Kloster zu hören. Bei Wolf wurde ein derartiger Fortschritt nicht beobachtet, wenigstens war davon auch unter der Hand nichts zu vernehmen. Der Landeschef hatte die Flüchtlingspolitik der Bundeskanzlerin verteidigt. Fluchtursachen seien in den Herkunftsländern zu bekämpfen, trichterte Strobl den Parteifreunden ein.

Mit dem Thema "Flüchtlinge" kann die CDU in Baden-Württemberg kaum punkten. Deshalb sprachen Strobl und Wolf dieses Problem bei der Pressekonferenz erst an, als ausdrücklich danach gefragt wurde. Lieber versicherten sie, "die innere Sicherheit ganz oben auf die Tagesordnung zu setzen". Wegen der "verkopften, überdimensionierten Polizeireform" habe die Sicherheitslage im Südwesten "erheblichen Schaden erlitten".

Die Beamten brauchten auch wegen "der schlimmen Verrohungstendenzen in unserer Gesellschaft" eine effektivere Ausstattung. Die CDU verspricht bessere Bezahlung, den Verzicht auf Namensschilder und 1500-fache Verstärkung.

Wird Guido Wolf nach seiner Meinung zur AfD gefragt, nennt er die "Alternative für Deutschland" nicht beim Namen. Er sprach von "einer Partei, die wir nicht im Landtag haben wollen". Sie bringe "keine Lösung, schürt nur Stimmungen". Der Spitzenkandidat möchte angeblich nicht über die Konkurrenz reden, lieber über eigene, "bessere Programme" und "klare, verlässliche Politik" für einen "starken Staat". Aber gern wird auf Verkehrsminister Winfried Hermann verbal eingeschlagen. Der Grüne werde "in erster Linie als Kontrollminister wahrgenommen, der das Automobilland Baden-Württemberg zum Auslaufmodell" erklärt habe. Dabei müsse es doch zum "Mobilitätsland" werden, "in dem die umweltfreundlichsten Fahrzeuge entwickelt werden". Die Wirtschaft, voran der Mittelstand, brauche "mehr Freiraum, mehr Eigenverantwortung, weg von staatlicher Reglementierung".

Die Christdemokraten stimmen in Schöntal solchen Parolen unisono zu. Davon würden sie wohl gerne und sofort mehr hören. Doch trotz allem Optimismus wunderten sich auch einige Klausuristen, "dass der Wahlkampf so schleppend in die Gänge kommt".

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