Justiz setzt auf Anti-Gewalt-Kurse

Nicht immer ist das Gefängnis der beste Weg zur Besserung: Für den Generalstaatsanwalt sind Anti-Gewalt-Kurse oft die bessere Alternative. Er fordert einen flächendeckenden Ausbau - doch das Geld fehlt.

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Simulierter Übergriff in einem Rollenspiel eines Anti-Gewalt-Kurses in Stuttgart. Staatsanwaltschaften und Gerichte setzen auf die Trainings.  Foto: 

Generalstaatsanwalt Achim Brauneisen fordert einen flächendeckenden Ausbau von Anti-Gewalt-Kursen für Straffällige. "Es ist nicht immer sinnvoll, bei strafbaren Gewalttätigkeiten immer mit Haftstrafen zu reagieren", sagte Brauneisen in Stuttgart. Staatsanwaltschaften und Gerichte im Land betrachteten die Kurse häufig als bessere Alternative zum Gefängnis. Der Bedarf im Land sei enorm - doch der geforderte Ausbau scheitere häufig an der Finanzierung.

"Selbstverständlich gibt es schwere Fälle von Gewalt, bei denen kein Weg an einer Haftstrafe vorbei geht. Dies ist aber nicht die Mehrzahl der Fälle", sagte der Generalstaatsanwalt. "Vielfach ist es viel sinnvoller, informell zu reagieren und die Einstellung des Täters zu seiner Tat und zu seiner Gewaltneigung zu verändern." Genau da wollen die Kurse ansetzen. "Sie konfrontierten die Teilnehmer mit sich selbst, ihren Motiven und Zielen, die hinter der begangenen Gewalttat stehen", sagt Oliver Kaiser, Leiter der Straffälligenhilfe beim Paritätischen Wohlfahrtsverband. Der Verband gehört zum "Netzwerk Straffälligenhilfe Baden-Württemberg", in dem aktuell dreizehn Vereine diese Kurse anbieten. Im Jahr 2013 waren es insgesamt 64 Anti-Konflikt-Trainings mit 447 Teilnehmern.

Gemessen an den mehr als 17.000 Gewaltstraftaten, die 2013 registriert wurden, hält Brauneisen das Angebot der Kurse für ausbaufähig. Doch vielerorts fehle das Geld.

"Anti-Gewalt-Trainings sind aufwendig. Sie kosten viel Geld."Pro Teilnehmer koste ein Kurs 1500 bis 1800 Euro. Die Vereine müssen die Kurse bis zu 60 Prozent aus Eigenmitteln finanzieren. Den Rest zahlen die Kommunen. Es sei notwendig, dass im Südwesten mehr Städte und Kreise Finanzierungskonzepte für solche Angebote finden.

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