Jagst: Zehn Flusskilometer beinahe ohne Fische

Das Ausmaß des Fischsterbens nach der Vergiftung der Jagst lässt sich noch nicht absehen. Klarheit erwarten die Ministerien erst im Frühjahr 2016.

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Das hochgiftige Ammoniak, das am 23. August nach dem Brand einer Mühle bei Kirchberg (Kreis Schwäbisch Hall) in die Jagst gelangt ist, haben rund 20 Tonnen Fische nicht überlebt. Auf einer Strecke von zehn Kilometer sei der Fischbestand "nahezu ausgelöscht", erklärten die Minister für Natur- und Umweltschutz, Alexander Bonde und Franz Untersteller (beide Grüne), am Montag in einer "vorläufigen Abschätzung der ökologischen Auswirkungen des Großbrandes". Eine abschließende Bewertung sei derzeit nicht möglich, weil während des Winters von einer "erhöhten Sterblichkeit" ausgegangen werden müsse. Denn selbst in 45 Kilometern Entfernung vom Brandort seien zunächst überlebende Fische mit geschädigten Kiemen entdeckt worden.

Erst im Frühjahr 2016 bestehe Klarheit, "wie schwer das verunreinigte Löschwasser die Jagst tatsächlich geschädigt hat", erklärte Untersteller. "Erheblich geschädigt" seien die Vorkommen des seltenen Steinkrebses und von Großmuscheln, ergänzte Kollege Bonde.

Besonderes Lob bekamen die vielen Helfer, weil sie Buchten mit giftfreiem Wasser abgeriegelt hätten. In diesen Refugien hätten viele Fische überleben können. Bonde und Untersteller bestätigten ein Gutachten des Landkreises Schwäbisch Hall, demzufolge entgegen anfänglicher Befürchtungen wirbellose Kleinlebewesen "anscheinend unbeschadet" geblieben seien. Sie hätten im Lückensystem des Gewässerbodens überlebt, zuströmendes Grundwasser habe sich günstig ausgewirkt.

Die Ressortchefs ziehen daraus die Erkenntnis, dass kiesig-steinige Sohlen für Flüsse als "vielfältige Lebensräume für die Gewässerfauna" besonders wichtig sind. Deshalb müssten auch Wanderhindernisse wie Stauwehre beseitigt oder durchgängig umgerüstet werden. Die FDP-Landtagsfraktion forderte im Nachtragshaushalt ein "Sonderprogramm zur Bewältigung der Umweltschäden".

Das Regierungspräsidum Stuttgart erarbeitet derzeit ein "Aktionsprogramm Jagst", um die Artenvielfalt des Flusses wiederherzustellen. Bei dem Maßnahmenkatalog gehe es nicht allein um eine Verbesserung der "Widerstandskraft des Ökosystems", auch die Erholungs- und Freizeitfunktion soll berücksichtigt werden.

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