Investoren für Allgäu-Ferienpark gesucht

Kommt der große Allgäu-Ferienpark? 180 Hektar groß ist das Gelände bei Leutkirch. Seit Anfang 2013 könnte Center Parcs schon bauen. Die Finanzierung ist aber offen. Klappt schon noch, sagt das Unternehmen.

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  • Das Eingangstor des Munitionsdepots rostet seit Jahren vor sich hin. Hier soll ein Feriendorf entstehen. Die Finanzierung ist aber ein Problem. 1/2
    Das Eingangstor des Munitionsdepots rostet seit Jahren vor sich hin. Hier soll ein Feriendorf entstehen. Die Finanzierung ist aber ein Problem. Foto: 
  • Neue Warnschilder am alten Zaun des früheren Munitionsdepots. Viel mehr ist nicht passiert. 2/2
    Neue Warnschilder am alten Zaun des früheren Munitionsdepots. Viel mehr ist nicht passiert. Foto: 
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Anlage Nummer 21 von Center Parcs öffnete im Sommer. Nicht im Allgäu, sondern in Frankreich im Departement Vienne, nicht weit vom Loire-Tal. Geworben wird mit Komfort-Ferienhäuschen im Wald, mit Hirschen, Waschbären und Frettchen zum Gucken. Natur pur, Abenteuertrail, Bogenschießen und dazu "tropisches Schwimmvergnügen" im Spaßbad Aqua Mundo.

Ganz ähnlich soll Center Parcs Allgäu mal aussehen. Schon seit Anfang 2013 ist baurechtlich alles unter Dach und Fach. Die Parkmacher könnten die Bagger bestellen für das 180 Hektar große Waldgebiet bei Leutkirch im Kreis Ravensburg, auf dem Gelände eines früheren Munitionsdepots der Bundeswehr.

400 bis 1000 Ferienhäuser sind geplant, bis zu eine Million Übernachtungen im Jahr. Alles soll da sein, was Urlauber so brauchen: Spaßbad, Gastronomie, Läden. Insgesamt 250 Millionen Investitionen.

Allerdings ist es sehr ruhig geworden um das Vorhaben. Man arbeite noch an der Finanzierung, heißt es bei der Groupe Pierre & Vacances Center Parcs, Europas größtem Ferienwohnungs-Anbieter. Aufgegeben werde das Projekt nicht, versichert das Unternehmen auf Anfrage der SÜDWEST PRESSE. "Der Prozess Ferienpark im Allgäu ist in vollem Gange", lässt Frédéric Durousseau mitteilen, Direktor strategische Planungen von Center Parcs Europe. Die Gesamtfinanzierung sei aber "noch nicht zu 100 Prozent abgeschlossen." Sobald das passiert sei, werde "das Land entmilitarisiert, das Konzept finalisiert und schließlich der ganze Park errichtet", so Durousseau. Drei Jahre werden dafür eingeplant. Ziel für die nächsten Monate sei, laufende Gespräche mit potentiellen Investoren positiv abzuschließen. "Das braucht Zeit", sagt Durousseau, "wir sind aber überzeugt, dass die Stärke der Destination, gepaart mit der Stärke von Center Parcs, zum Erfolg führen wird."

Unternehmensstrategie ist, dass verwaltete Vermögenswerte nicht in Unternehmensbesitz sind. Auch Bankkredite werden nicht direkt eingeholt, man setzt auf Investoren. Weil die Banken seit der Finanzkrise auf höheres Eigenkapital pochen, müssten Anleger aber erheblich mehr investieren als vor Jahren. Ein Punkt, warum die Finanzierung für Leutkirch noch nicht stehe. Ein anderer: Banken sähen Projektfinanzierungen kritischer als früher - auch wegen strengerer Vorschriften.

Weitere Möglichkeit, über die zentrale Anlagen oder Infrastruktur finanziert werden könnten, sei Public-Privat-Partnership. "In unserem Park im Saarland, wo der Investor ein öffentlicher Partner ist, haben wir das umgesetzt", so Durousseau. Mit Baden-Württemberg oder Bayern sei das noch keine Option. "Diese wird aber derzeit geprüft."

Im Ferienpark Bostalsee, 2013 fertiggestellt für 130 Millionen Euro auf 90 Hektar, stecken 32 Millionen öffentliches Geld: 14 Millionen aus Saarlands Landeshaushalt, 18 Millionen aus der "Zukunftsinitiative II" des Landes. Bauherr der Zentraleinheit war die landeseigene SHS Strukturholding Saar. Eine Projektgesellschaft aus Gemeinde, Landkreis und LEG Saar besorgte die Infrastruktur. Alle 500 Ferienhäuschen waren zwei Jahre nach Parköffnung an Privatinvestoren verkauft, ein Jahr früher als geplant, meldete die zuständige Entwicklungsgesellschaft im vergangenen Mai.

Landes-Millionen für ein Tourismusgroßprojekt in öffentlich-privates Partnerschaft auch in Baden-Württemberg? Noch kein Thema für das Infrastrukturministerium in Stuttgart: "Bisher wurden keine Überlegungen in diese Richtung unternommen", sagt eine Sprecherin.

Immerhin sieben Millionen Euro vom Land sind für den Ferienpark Allgäu seit Jahren zugesagt. Bis 2018 gilt der Bewilligungsbescheid des Tübinger Regierungspräsidiums, das Geld kann in die Mitfinanzierung der öffentlichen Erschließung fließen, in Ausgleichmaßnahmen, Altlastenbeseitigung und in Planungs- und Gutachterkosten.

"Center Parcs kann sofort loslegen", sagt Claudio Uptmoor vom Leutkircher Stadtbauamt. Die Verträge für das Gelände sind seit dem Jahr 2011 unterschrieben, der Bebauungsplan steht seit Dezember 2012. Falls es aber doch nicht klappen sollte? Dann geht das Grundstück wieder zurück an die Stadt. "Und alles geht wieder von vorn los." Aber das will niemand in Leutkirch.

Seit acht Jahren im Dornröschenschlaf

Munitionsdepot 180 Hektar groß ist der Urlauer Tann zwischen Leutkirch und Isny im Allgäu, 30 Hektar sind bayerisch, der größte Teil aber württembergisch, auf Leutkircher Gebiet. 2007 hatte die Bundeswehr ihr Munitionsdepot aufgegeben: Bunker im Untergrund und Baracken stehen zwischen Bäumen, dazu gibt es 20 Kilometer Straßen, alles bis heute gut gesichert durch einen Zaun.

Bürgerentscheide Zuerst war ein Groß-Sägewerk geplant, eine Bürger-Initiative befürchtete Lärm und Dreck durch Lkw-Verkehr. In einem Bürgerentscheid sagten die Leutkircher 2008 Ja zu den Plänen. Aus dem Sägewerk wurde nichts. Aber Center Parcs konnte für den Urlauer Tann interessiert werden. 2009 gab es wieder einen Bürgerentscheid. 95 Prozent stimmten für das Tourismus-Vorhaben.

Tourismus Geplant sind zwischen 400 und 1000 Ferienhäuschen. Eigentlich sollte das 250-Millionen-Projekt schon stehen und 800 Arbeitsplätze bieten. Bis heute wird aber an der Finanzierung gewerkelt, während 2013 im Saarland am Bostalsee Park Nummer fünf in Deutschland aufmachte. Und in Frankreich öffnete Center Parcs im Juni seine 21. Anlage, Le Bois daux Daims.

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