Integrativ und bezahlbar

In einem einzigartigen Verfahren hat die Stadt Tübingen Optionen für Grundstücke vergeben, auf denen Wohnraum für Flüchtlinge geschaffen wird.

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Der Tübinger Baubürgermeister Cord Soehlke.  Foto: 

Auf über 20 städtischen Grundstücken werden in Tübingen Anschlussunterkünfte gebaut – Häuser, in denen Flüchtlinge leben werden, deren Verfahren positiv abgeschlossen wurde. Für sechs dieser Standorte hat die Stadtverwaltung ein für Anschlussunterkünfte neues Verfahren ausgeschrieben: Als Bauherren bewerben konnten sich private und gewerbliche Investoren, die ein überzeugendes Konzept entwickelt haben.

Dabei spielte die Architektur der Häuser eine untergeordnete Rolle. Wichtiger waren Ideen, die die Integration unterstützen und die langfristig bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung stellen. So bekam etwa im Französischen Viertel ein Projekt den Zuschlag, das Bewohner des Quartiers bauen. Im Erdgeschoss des vierstöckigen Gebäudes wird es einmal ein Café und einen Gemeinschaftsraum geben, außerdem schafft die Baugruppe eine Stelle zur Koordination der Arbeit mit den neuen Bewohnern.

An einem anderen Standort im Süden der Stadt kommen gleich drei Bewerber zum Zug, die jeweils ein Drittel eines großen Gebäudes erstellen. Eine private Baugruppe will dort auch einen Gemeinschaftsgarten anlegen und einen Sozialarbeiter anstellen, eine andere finanziert ihr Haus durch eine „Bürger-Wohnbau-Gesellschaft“ mit Kleinkrediten und bringt im Erdgeschoss Werkstätten und Gemeinschaftsräume unter. Den dritten Zuschlag bekam die Baugenossenschaft Familienheim Schwarzwald-Baar mit ihrem preisgekrönten Konzept „Microloft“. Die Genossenschaft verzichtet auf teure Bauteile und bietet damit günstige Mieten.

Für die sechs Standorte, auf denen zwischen ein und vier Häuser gebaut werden sollen, gab es zusammen mehr als 120 Bewerbungen. Eine Kommission aus Vertretern der Stadtverwaltung, den Gemeinderatsfraktionen und aus Bürgerinitiativen hat die besten Konzepte dafür ausgewählt. Bauen dürfen neben einigen Anwohner-Baugruppen auch Baugenossenschaften mit einem sozialem Anspruch oder solche, die einen Großteil der entstehenden Wohnungen für bis zu 50 Jahre günstig anbieten.

Baubürgermeister Cord Soehlke, der die Idee für dieses Vergabeverfahren hatte, war von der Vielzahl der qualitativ hohen Bewerbungen überrascht, zumal der Wettbewerb erst Ende April gestartet wurde.

Soehlke hat in Tübingen bereits mehrere ähnliche Vergabeverfahren gemacht: In den Neubauvierteln Alte Weberei im Osten Tübingens, Mühlenviertel im Süden und im entstehenden Quartier Güterbahnhof der Stadt waren private Baugruppen aufgefordert, sich mit Konzepten zu bewerben. Dabei legte die Verwaltung großen Wert auf die Mischung der Nutzung, die Kleinteiligkeit und die soziale Durchmischung. Für den Bau von Anschlussunterkünften ist ein derartiges Verfahren allerdings etwas neues.

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