In den Semesterferien zum Horrorfilm-Dreh

Einmal ist sie fieses Mädchen, einmal Folteropfer, das zu Tode kommt. Meistens geschehen die Morde in den Semesterferien, denn das Filmopfer ist Studentin Annika Strauß, eine gefragte Horrorfilmdarstellerin.

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Annika Strauß ist schon zehn Mal gestorben. Die junge Frau wird immer dann über den Jordan gebracht, wenn an der Uni Tübingen Semesterferien sind. Dort studiert die Reutlingerin Rhetorik. Dezent geschminkt, ihre langen, schwarzen Haare zum Zopf gebunden, mit einem netten Lächeln auf den Lippen, sitzt sie in den Vorlesungen. Nur einige Kommilitonen wissen, dass die Studentin Angst und Schrecken verbreiten kann. Als gefragte Horrorfilmdarstellerin mutiert die hübsche Schwäbin zur Bestie, die mit Messern und anderem Werkzeug auf Mitmenschen losgeht. Oft stirbt die 27-Jährige dabei einen schrecklichen Tod. Oft so brutal, dass ihre Filme nicht im Fernsehen und nur selten im Kino zu sehen sind. Ihre DVD "La Petite Mort" wird mit "krank und heftig" treffend beschrieben. Über Geschmack lässt sich eben streiten. Die Masterarbeit der 27-Jährigen handelt von der "Ästhetik der Grausamkeit".

Seit vier Jahren spielt die Studentin in Low-Budget-Filmen mit. Horror-Film-Regisseur Marcel Walz hat in der jungen Frau seine Lieblingsschauspielerin gefunden. Gemeinsam haben sie Independentfilme in Deutschland, auf Mallorca und in New York in deutscher und englischer Sprache abgedreht.

"Mich hat das Genre schon immer interessiert", erzählt die Reutlingerin die als Kind die Geisterbahn dem Kettenkarussell vorgezogen hat. In der Theater-AG der Schule bekam sie die erste Rolle in Maffays Märchen "Tabaluga und Lilli", in einer ZDF-Produktion spielte sie später ein braves Mädchen. Außer "Sissy" und "Sex in the City" schaute sie sich als Teenager "Psycho" und "Scream" an. "Nach solchen Filmen kann man im wahren Leben besser mit Stress umgehen", sagt sie. Mit einem Film Angst und Gänsehaut zu erzeugen, sei eine große Kunst: "Obwohl der Betrachter weiß, dass das auf der Leinwand nicht real ist." Die "Tagesschau" findet sie schrecklicher. "Die Bilder, die man dort sieht, sind echt und nicht gestellt."

Nach einer kurzen Stippvisite auf einer Schauspielschule moderierte die junge Frau bei einem privaten TV-Sender. "Durch Zufall und viel Glück" rutschte sie dann 2008 ins Horror-Fach. "Regisseur Walz und ich spürten sofort, dass wir seelenverwandt sind", erzählt die 27-Jährige. Mit Walz hat sie die meisten Horrorfilme und Thriller gedreht.

Wer vermutet, dass sich die Schauspielerin mit so vielen Haupt- und Nebenrollen inzwischen eine goldene Nase verdient hat, der irrt. Bei Independentfilmen, die in der Regel in ein- bis zwei Wochen abgedreht sind und einen Etat von 10 000 bis 50 000 Euro haben, müssen sich die Akteure mit einem freundlichen Händedruck und der Anerkennung der Fans zufriedengeben. Wenn jemand daran verdient, sind es Produzenten und Regisseure.

Gerade hat die Reutlingerin ihren neuesten Streifen abgedreht. In "Plastic", in dem es um einen verrückten Schönheitschirurgen geht, spielt sie neben Katy Karrenbauer und Gina Lisa Lohfink. "Ich mache das, um etwas vorweisen zu können. Ich brauche Referenzen", sagt Annika, die von einer "seriösen" Filmkarriere träumt. Historische Filme, mit schönen Kostümen und Pferden, das wäre schon ihr Ding.

Derzeit arbeitet die 27-Jährige an ihrem ersten Drehbuch. Es geht um eine Frauenmotorradgang. Ein brutaler und gleichzeitig lustiger Steifen nach der Machart von "Mad Max", verrät Annika, die sich die Hauptrolle auf den Leib geschrieben hat. Drehbeginn ist im kommenden Jahr. Derzeit ist sie noch auf der Suche nach Sponsoren.

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