Impulse für die Europapolitik aus dem Kloster

Europa ist die Lösung, nicht das Problem - mit diesem Appell rief das "Weimarer Dreieck" zur Wahl am 25. Mai 2014 auf. Der seit 1991 bestehende Dreierbund tagte gestern im Kloster von Bad Wimpfen.

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Treffen im Kloster: Gastgeber von Piotr Serafin (links) aus Polen und Thierry Repentin (rechts) aus Paris war Staatsminister Michael Georg Link. Foto: Hans Georg Frank

Dreieinhalb Stunden dauerten die intensiven Gespräche des "Weimarer Dreieck" gestern im Kloster von Bad Wimpfen (Kreis Heilbronn). Michael Georg Link (FDP), Staatsminister im Auswärtigen Amt, hatte seine Kollegen aus Frankreich und Polen in seinen Wahlkreis eingeladen - in allen drei Ländern gängige Praxis. Mit Europaminister Thierry Repentin aus Paris und Vize-Außenminister Piotr Serafin aus Warschau wurden zwar keine Entscheidungen gefällt. Aber die trinationalen Unterredungen gelten als wichtige Vorbereitung für die gemeinsame Marschrichtung.

Der Themenkatalog war so umfangreich, dass der Zeitplan nicht eingehalten werden konnte. Bei der Aussprache ging es auch um die Osterweiterung der EU. Von der Ukraine wurden vor allem "große Fortschritte auf dem Rechtssektor" verlangt. "Wir sind noch lange nicht durch", sagte Link zum Stand der Verhandlungen. Dem französischen Vertreter, erst seit vier Monaten im Amt, war ein Hinweis sehr wichtig: Europa dürfe nicht als Problem, sondern als Lösung verstanden werden. Diesen Appell im Hinblick auf die Europawahl am 25. Mai 2014, von seinen Kollegen mitgetragen, hatte Repentin auch am Vorabend in Heilbronn bei einem Empfang im Rathaus formuliert.

"Das Weimarer Dreieck" ist eine der tragenden Säulen der Europapolitik", sagte Link. Der damalige Außenminister Hans-Dietrich Genscher gab dazu 1991 den Anstoß. Entstanden sei "eine Brücke zwischen zwei Gründungsmitgliedern und einem ganz wichtigen, jungen Mitglied in Mitteleuropa", betonte Link. Bei den regelmäßigen Treffen wechseln sich die drei Länder als Gastgeber ab, zuletzt tagten sie in Warschau, nächster Schauplatz wird wohl Chambéry sein, die Heimat Repentins.

Mit dem Kloster am Neckar hatte Link einen Ort ausgewählt, in dem Einflüsse aller drei Länder zusammenkommen. Für den Bau der Stiftskirche St. Peter wurde 1269 ein Steinmetz aus Paris engagiert, der "die Steine nach französischer Art behauen" habe, wie zeitgenössischen Beobachtern auffiel. Daher wohl auch deutliche Bezüge zu Notre Dame und dem Straßburger Münster. 1947 ließen sich in dem geräumten Kloster jene Benediktinermönche nieder, die aus ihrer Abtei vertrieben worden waren - ihre Heimat war im niederschlesischen Grüssau bei Landeshut, heute Kamienna Gora.

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