Immer weniger Verurteilte im Land

Die Zahl verurteilter Straftäter im Land lag 2012 so niedrig wie seit 32 Jahren nicht mehr. Vor allem bei Jugendlichen wird eine deutliche Abnahme registriert. Einbrüche, Drogen- und Sexualdelikte nahmen aber zu.

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Jugendliche vor Gericht: Solche Bilder gab es im Südwesten 2012 deutlich seltener als im Vorjahr. Doch nicht überall weist die Statistik solche Erfolge aus. Foto: dpa

Die Strafverfolgungsstatistik 2012, die Justizminister Rainer Stickelberger (SPD) und die Präsidentin des Statistischen Landesamts, Carmina Brenner, gestern vorgestellt haben, kann erfreuen: Seit Gründung des Landes 1952 war die Verurteiltenhäufigkeit, also die Zahl der von den Gerichten des Landes Verurteilten bezogen auf die strafmündige Bevölkerung (ab 14 Jahren), nie so niedrig wie 2012: Auf 100 000 strafmündige Bürger kamen 1122 Verurteilte. In absoluten Zahlen registrierten die Statistiker rund 105 500 verurteilte Personen, 2,5 Prozent weniger als 2011.

Besonders deutlich ging die Zahl der verurteilten Jugendlichen (14 bis 18 Jahre) zurück: 6500 junge Täter, das waren 9,5 Prozent weniger als 2011. Bei den 88 100 erwachsenen Tätern gab es ein Minus von 2,4 Prozent, während 0,9 Prozent mehr Heranwachsende zwischen 18 und 21 Jahren verurteilt wurden.

Stickelberger warnte aber davor, sich auf den positiven Zahlen auszuruhen. Sorge bereiteten die vielen Verurteilungen wegen Wohnungseinbrüchen: Diese nahmen fast um ein Viertel auf 231 zu. Einen kräftigen Zuwachs um zwölf Prozent gab es auch bei Sexualdelikten. Vor allem Verbreitung, Erwerb und Besitz kinderpornografischer Schriften wurden bestraft. Nachdem jahrelang immer weniger Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz geahndet worden waren, verzeichnet die Statistik 2012 nun wieder eine Zunahme um 4,5 Prozent. Rainer Stickelberger setzt hier vor allem auf noch mehr Prävention.

Den zahlenmäßig stärksten Rückgang gab es bei den Straßenverkehrsdelikten (24 600 Schuldsprüche), der mit 23 Prozent traditionell größten Straftatengruppe. Das sind 5,8 Prozent weniger als 2011, nach 1952 und 1953 der drittniedrigste Wert seit Bestehen des Landes. Besonders auffällig nahm im vergangenen Jahr mit minus neun Prozent die Zahl der Trunkenheitstaten ohne Personenschaden ab.

Gewaltdelikte (insgesamt vier Prozent) wurden 300 Mal weniger geahndet als 2011. Die 4600 Verurteilungen sind der niedrigste Wert seit zehn Jahren. Vor allem sank die Zahl jugendlicher Gewalttäter, nämlich um 19 Prozent. Bei den Heranwachsenden gab es eine Abnahme vom 7,9 Prozent, während 1,9 Prozent mehr Erwachsene als 2011 wegen Gewalttaten verurteilt wurden.

Drei Viertel aller Verurteilten erhielten 2012 eine Geldstrafe, 16 Prozent eine Freiheitsstrafe, die die Gerichte meistens zur Bewährung aussetzten. Nur 4,6 Prozent aller Verurteilten mussten somit ins Gefängnis. In 16 Prozent aller vor Gericht anhängiger Fälle wurde das Verfahren eingestellt. Freisprüche aber gab es allerdings nur in 2,5 Prozent aller Fälle. Justizminister Stickelberger sieht darin den Beweis, "dass die Staatsanwaltschaft sehr sorgfältig agiert und die Anklagen relativ treffsicher sind".

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