Immer mehr Güterwagen mit Flüsterbremsen

Das Land hat an der Rheintalbahn die erste Bahnlärm-Messstation aufgestellt. Mit ihr soll herausgefunden werden, was den Lärm wirklich mindert.

|

Die Menschen, die entlang der Rheintalbahn leben, haben kaum mal eine Viertelstunde Ruhe. Die Daten der landesweit ersten Bahnlärm-Messstation bei Achern im Ortenaukreis beweisen es. Wann auf der Strecke Züge fahren und wie laut sie sind, kann seit kurzem jeder mitverfolgen, der sich auf der Online-Seite "Verkehrslärm-Messungen" der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz (LUBW) einloggt. Dort wird der Lärmpegel an der vielbefahrenen vierspurigen Rheintalbahn grafisch dargestellt und im Minutentakt aktualisiert. Mit dieser Messstation für Bahnlärm wolle die LUBW im Auftrag des Verkehrsministeriums und in Zusammenarbeit mit der Bahn herausfinden, wie sich der von Zügen verursachte Lärm im Lauf der Jahre verändert, sagt Tatjana Erkert, Sprecherin der LUBW. "Außerdem soll herausgefunden werden, ob die Lärmschutz-Maßnahmen der Bahn greifen."

Die sind in einem Zwei-Säulen-Konzept festgehalten: Eine Säule ist der Lärmschutz entlang des Streckennetzes, zum Beispiel durch Lärmschutzwände und Schallschutzfenster. Die zweite ist die Umrüstung der Güterwagen auf Flüsterbremsen. Das zeige bereits Erfolge, sagt Ines Jahnel, Lärmschutzbeauftragte der Deutschen Bahn. Güterwagen, die mit Flüsterbremsen ausgerüstet sind, seien gegenüber den Wagen, die noch die alten Graugussbremsen haben, in der Vorbeifahrt um zehn Dezibel leiser. "Das entspricht im menschlichen Ohr einer empfundenen Halbierung des Lärms", sagt Ines Jahnel.

Sie kündigt an, dass die DB Cargo bis Ende dieses Jahres 32.000 "leise" Güterwagen haben wird. "Das sind 50 Prozent aller in Deutschland eingesetzten Wagen von DB Cargo." Bis 2020 soll der komplette Wagenpark der DB Cargo mit Verbundstoffbremsen ausgestattet sein. Dann soll auch das Ziel der Bahn erreicht sein, den Schienenlärm im Vergleich zum Jahr 2000 zu halbieren. Allerdings gilt dies nur für die deutschen Güterwagen und nicht für die vielen internationalen Züge, die auf der Strecke unterwegs sind.

Die Rheintalbahn ist Teil des wichtigen europäischen Rhein-Alpen-Korridors, der die Seehäfen der Niederlande und Belgiens mit Deutschland, der Schweiz, Norditalien und dem Mittelmeerhafen Genua verbindet. Um die Strecke leistungsfähiger zu machen, werden in den Alpen Tunnel gebaut. Zwischen Karlsruhe und Basel wird die Rheintalbahn viergleisig ausgebaut.

Deshalb ist zu erwarten, dass der Güterverkehr weiter zunimmt. Die Prognose ist, dass auf den am stärksten belasteten Abschnitten bis 2025 pro Tag 335 Güterzüge fahren. Das sind 14 Güterzüge pro Stunde oder ein Güterzug alle vier Minuten.

Die Messstation steht an solch einem stark frequentierten Abschnitt und wird langfristig aufzeichnen, wie sich der Lärm mit steigender Zahl der Güterzüge entwickelt. Die Kosten für die Errichtung der Messstelle plus der Wartung in Höhe von 100.000 Euro trägt für das erste Jahr das Verkehrsministerium.

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Wegen vollgelaufener Keller: Stadt soll Entwässerungssystem prüfen

Die Stadt soll das Problem der voll gelaufenen Keller am Kuhberg ernst nehmen, fordern rund 300 Unterzeichner einer Unterschriftensammlung. Die Ulmer Gemeinderats-Fraktionen stellen sich auf die Seite der Bürger. weiter lesen