Im Südwesten kommen weniger Asylbewerber an

Immer noch kommen viele Flüchtlinge ins Land. Aber es sind weniger als noch im Herbst. Die Erstaufnahmestellen sind nicht mehr so überfüllt. Die Landkreise melden aber noch keine Entlastung.

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 Quelle: Integrationsministerium Baden-Württemberg  Foto: 

Bis zu 3500 Menschen wurden in der Landeserstaufnahmestelle in Meßstetten (Zollernalbkreis) schon gleichzeitig untergebracht, versorgt und registriert. Das war im Herbst 2015. Da lag die Zahl ankommender Flüchtlinge auf viel höherem Niveau als heute. Dass inzwischen deutlich weniger Asylbewerber in den Südwesten kommen, zeigt sich an der Belegung der Erstaufnahmestellen (Leas): 1451 Menschen sind aktuell in Meßstetten untergebracht, 1339 Menschen in der Lea Ellwangen im Ostalbkreis.

Die Unterschiede zum Herbst seien "deutlich spürbar", sagt Lea-Leiter Frank Maier in Meßstetten - für Betreuer und Bewohner. "In Massenunterkünften müssen wir niemanden mehr unterbringen, die Zimmer reichen für alle", das bringe Entspannung. Allerdings liege die Zahl der Betreuten immer noch über der eigentlich vereinbarten Höchstzahl. Als die Lea im November 2014 öffnete, sollten höchstens 1000 Menschen auf dem Gelände der ehemaligen Zollernalbkaserne unterkommen. Weil immer mehr Menschen kamen, musste das Land neue Erstaufnahmen einrichten und bestehende überbelegen.

In Ellwangen wurden im Herbst zeitweise an die 4800 Menschen untergebracht. Im Vergleich zu damals sei die Situation der täglichen Routinearbeiten nun entspannter, sagt der stellvertretende Lea-Leiter Roland Herzog. Als der Andrang größer war, sei aber personell nachgezogen worden, schon da seien Stellen und Organisationen in der Lea "ausreichend besetzt" worden.

Massenunterkünfte sind in Ellwangen noch nötig, zwei Hallen und zwei Großraumzelte. Bis Ende März werde aber eine Halle umgebaut, dann stünden dort Schlafplätze bereit, so Herzog.

Mehr als 101.000 Flüchtlinge hat Baden-Württemberg nach Angaben des Integrationsministeriums 2015 aufgenommen, fast eine Verdreifachung im Vergleich zu 2014. Durch die Erstaufnahmeeinrichtungen gingen sogar insgesamt 185.000 Menschen; etliche wurden und werden an andere Einrichtungen oder in die Bundesländer weiterverteilt.

Seit November 2015 gehen die Flüchtlingszahlen deutlich zurück: 8555 Asyl-Erstantragsteller sind im Januar im Südwesten registriert worden, zuletzt waren es im vergangenen August ähnlich viele. Im Februar sind es bisher 5477 Antragsteller. Stichtag war der 24. Februar. Der "Bruttozugang" liegt zwar einiges höher: 15.198 Menschen waren es letzten Monat, 9615 bisher im Februar. Weil aber auf andere Bundesländer verteilt wird und auch Flüchtlinge auf eigene Faust weiterwandern, ist ein Rückgang auch für den ganzen Februar absehbar.

Momentan sind von den 42.000 Plätzen in den Erstaufnahmestellen des Landes etwa 21.000 belegt. Auf Ende März schließen Aufnahmestellen in Immendingen, Villingen-Schwenningen und Mannheim, weil Nachnutzer warten: In Immendingen nutzt die Daimler AG das Gelände, in Villingen-Schwenningen die Messegesellschaft wieder ihr Freigelände. Dafür baue das Land weitere Erstaufnahmeeinrichtungen auf, zum Beispiel in Herrenberg, Schwäbisch Hall oder Freiburg, sagte gestern ein Sprecher des Integrationsministeriums.

Von den Leas aus werden die Asylbewerber verteilt, für die Anschlussunterbringung sind die Land- und Stadtkreise zuständig. Auch hier sinken die Zahlen. Nach Angaben der Lenkungsgruppe Flüchtlingsaufnahme sind es inzwischen weniger als 3000 Menschen pro Woche, ursprünglich vorgesehen waren 4500.

Die Unterbringung bleibe weiter eine gewaltige Aufgabe, von Entlastung durch zurückgehende Flüchtlingszahlen sei nichts zu spüren, sagte Dietmar J. Herdes, Dezernatsleiter beim Landkreistag in Stuttgart. Mit "viel Kreativität" sei man landauf, landab weiter damit beschäftigt, Unterkünfte für Flüchtlinge bereitzustellen.

Gute Erfahrungen in den Jugendherbergen

Flüchtlinge Die Flüchtlinge in den Jugendherbergen in Baden-Württemberg sollen bis Ende April ausziehen und woanders unterkommen. In den Häusern starte im Mai die übliche Saison, dann sollen wieder reguläre Gäste in den Gebäuden übernachten, sagte Karl Rosner vom Landesverband des Deutschen Jugendherbergswerks. Seit Oktober waren in 15 Jugendherbergen im Südwesten etwa 280 Flüchtlinge untergebracht.

Kontakte Parallel konnten weiter reguläre Gäste wie Familien oder Einzelreisende in den Häusern übernachten. Die Erfahrungen seien positiv gewesen, sagte Rosner. In den Häusern waren vor allem Kinder und Familien untergebracht. Nur vereinzelt habe es Probleme gegeben, etwa im sanitären Bereich oder beim Essen. "Wer Ärger macht, muss unsere Herbergen dauerhaft verlassen." Bundesweit hatten Jugendherbergen 3500 Flüchtlinge aufgenommen.

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