Holzweg führt in die Zukunft

Ein "uralter Baustoff mit großem Zukunftspotenzial" stand im Mittelpunkt des 20. Tages des offenen Denkmals: Holz. Das Naturmaterial ist heute so unentbehrlich wie in der Vorzeit, betonen Experten.

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Schorndorf mit seinen prächtigen Fachwerkhäusern gilt als Attraktion an der 2800 Kilometer langen "Deutschen Fachwerkstraße". Im Haus mit den roten Läden ist 1834 der Autopionier Gottlieb Daimler geboren. Foto: Hans Georg Frank

Wenn Claus Wolf, Präsident des Landesamts für Denkmalpflege über einen der traditionsreichsten und bewährtesten Rohstoffe spricht, kann er seine Begeisterung kaum zügeln. "Holz arbeitet, Holz wärmt, Holz duftet." Vor allem aber: "Holz ist ein uralter Baustoff mit großem Zukunftspotenzial", betonte Wolf am Samstag bei der zentralen Eröffnungsfeier des 20. Tages des offenen Denkmals in Schorndorf (Rems-Murr-Kreis). Das Holz in all seiner Vielfalt war gemeinsames Thema der rund 750 Veranstaltungen im ganzen Land. Dabei öffneten sich am Sonntag auch sonst kaum zugängliche Gebäude.

Der Aktionstag soll die Arbeit der Denkmalschützer und den Wert der Objekte verdeutlichen, erklärte Ingo Rust (SPD), als Staatssekretär im Finanz- und Wirtschaftsministerium gleichsam einer der obersten Denkmalhüter des Landes. Er setzte darauf, dass ein denkmalgeschütztes Gebäude nicht als Last empfunden, sondern als Schatz begriffen wird. Es sei daher auch extrem wichtig, den Nachwuchs für die Denkmalpflege zu interessieren, etwa mit speziellen Schulprojekten. Die 90 000 Baudenkmäler und 60 000 archäologischen Stätten seien Beweise für eine erfolgreiche Arbeit.

Der Denkmalschutz habe in Baden-Württemberg Verfassungsrang, "beispielhaft in Deutschland". Im letzten Jahrzehnt seien 4700 Maßnahmen mit 146 Millionen Euro gefördert worden. 2012 würden 24 Millionen Euro für die Denkmäler ausgegeben.

Seit Jahrtausenden hat sich Holz als unentbehrliches Hilfsmittel bei der Entwicklung der Menschheit erwiesen. Es sei mithin "ein einzigartiger Naturstoff und ein wichtiges Baumaterial", erklärte Rust. Er erinnerte an spektakuläre Grabungsfunde wie das Keltengrab bei der Heuneburg mit seinen mächtigen Eichenbohlen und die über 5000 Jahre alten Pfahlbauten im Bodenseeraum. Auch beim Blick nach vorn zeige sich, das Holz "ein sehr begehrter Baustoff" sei. Präsident Wolf ist überzeugt, dass nur mit dem Einsatz von Holz gelingen kann, "CO2-neutrale, klimafreundliche Bauwerke zu schaffen".

Die "famosen Eigenschaften" des vielseitigen nachwachsenden Rohstoffes würdigte der Bielefelder Historiker Joachim Radkau, der sich wegen seines Engagements in Wissenschaftskreisen als "Holzwurm" - "ein Ehrenname" bespöttelt wird. An Stabilität, Nachhaltigkeit und problemloser Entsorgung halte das Produkt aus dem Wald jedem Vergleich stand. Stahlbeton schwächle schon nach wenigen Jahrzehnten, Holz halte Jahrhunderte.

Radkau forderte die Wald- und Holzbranche zu mehr Geschlossenheit, "einer grünen Allianz", auf. Bei aller Nostalgie und Ökoromantik stünden zwei unterschiedliche Lager vor einer Zerreißprobe. Die einen gerierten sich als "Freunde der Wildnis", die anderen agierten als "Freaks der erneuerbaren Energie, die am liebsten den ganzen Schwarzwald mit Windrotoren vollstellen würden". Die Standpunkte seien total unterschiedlich: "Da gibt es viel böses Blut."

Der Forscher behauptete, die Geschicklichkeit des Menschen habe sich auch ganz wesentlich dank des Umgangs mit Holz entwickelt. Er erinnerte daran, dass schon vor 5300 Jahren die als "Ötzi" bekannt gewordene alpine Gletschermumie 15 Utensilien aus Holz bei sich gehabt habe.

Die Arbeit mit diesem Universalmaterial habe derart positive Auswirkungen, dass sich Radkau mit Bundespräsident Theodor Heuss über das Charakteristikum "hölzern" wunderte. So werde üblicherweise bezeichnet, wer unbehaglich, ungelenk, langweilig sei. Doch: "Diejenigen, die mit Holz zu tun haben, sind es eigentlich nie."

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