Holy AG und Boss dürfen in Metzingen erweitern

Nach der Klage kamen klärende Gespräche: Nun hat der Streit um die Ausweitung der Outlet-city in Metzingen ein Ende. Das Land, die drei Städte und die Firma einigten sich. Holy AG und Boss dürfen erweitern.

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Outletcity Metzingen: Nach jahrelangem Streit über die Erweiterung des Fabrikverkaufs haben die Nachbarstädte "gedeckelten" Plänen zugestimmt.  Foto: 

Um rund ein Drittel sollte sie wachsen, die "Outletcity" Metzingen - zumindest, wenn es nach den Plänen von Hugo Boss und Holy AG geht, die schon vor Jahren eine Erweiterung angekündigt haben. Doch das nicht ohne Gegenwind, denn umliegende Orte wie Reutlingen, Nürtingen und Tübingen fürchten um ihren Einzelhandel und die Entwicklung ihrer Innenstädte. Der Konflikt ging so weit, dass Tübingen und Reutlingen vergangenes Jahr sogar Klage gegen die Erweiterung der Metzinger Verkaufsflächen einreichten.

Nun jedoch haben die Beteiligten eine gemeinsame Lösung gefunden. Bei einer kurzfristig angesetzten Pressekonferenz am Mittwoch teilten sie mit: Der Streit ist beigelegt, Holy und Boss dürfen erweitern - das Wachstum wird jedoch auf ein verlässliches und verträgliches Maß beschränkt. Für diese im Detail ausgearbeitete Einigung hatten sich die Reutlinger und Metzinger Oberbürgermeister sowie eine Delegation der Gemeinderatsfraktionen an einen Tisch gesetzt. Der Tübinger Regierungspräsident Jörg Schmidt moderierte die Gespräche der Verhandlungskommission. Zusätzlich gab es Gespräche im Ministerium für Verkehr und Infrastruktur. Beim zweiten gemeinsamen Gespräch am Montagabend konnten sich die Kontrahenten einigen.

Die Verhandlungen seien "höchst konstruktiv" und "sehr fair" gelaufen, sagte der Metzinger Oberbürgermeister Ulrich Fiedler am Mittwoch in Reutlingen, er zeigte sich erleichtert. Die Einigung sei ein bedeutender Schritt für Metzingen, weil es nicht nur um die Outlet-Erweiterung von Hugo Boss und Holy AG gehe. Sondern nun sei auch der Weg frei für wichtige städtebauliche Entwicklungen: den Verkehr neu ordnen, die Tradition Metzingens als Textilstadt stärken, neue Grünzüge und die Erms wieder freilegen. Dazu laufe bereits eine breit angelegte Bürgerbeteiligung.

"Für uns war eine Rücknahme der Klage nur vorstellbar, wenn der Deckel kommt", sagte Reutlingens Oberbürgermeisterin Barbara Bosch. Die geforderte Wachstumsobergrenze für die Factory Outlets war jedoch gar nicht so leicht zu definieren: "Mit einer einzigen Regelung ist es nicht getan", sagt Bosch.

Die Städte haben ein Paket aus vielen Einzellösungen geschnürt - Einschränkungen in der Bebauung und Beschränkungen im Sortiment, das im Einzelhandel der anderen Städte besonders schmerzt. Holy verzichtete auf knapp 3000 Quadratmeter am alten Hugo-Boss-Standort. Ein Beispiel für die neue Regelung: Die zentrale Industriebrache der ehemaligen Metzinger Enzian-Seifenfabrik soll in eine 2400 Quadratmeter große Verkaufsfläche verwandelt werden - allerdings ausschließlich im Erdgeschoss, verteilt auf mehrere kleinflächige Läden und mit einem bestimmten Sortiment.

"Wir haben einen sehr guten Weg miteinander gefunden", sagt OB Bosch. Vor allem aber ist nun transparent, was aktuelle und zukünftige Planungen der Outletcity angeht. Denn eine große Reutlinger und Tübinger Sorge sei gewesen, so Regierungspräsident Schmidt, dass der Erweiterung eine Salamitaktik zugrunde liegt. "Es ist nicht die Absicht der Stadt, unbegrenzt wachsen zu wollen", betonte Metzingens OB Fiedler am Mittwoch noch einmal. "Wir sind ja nicht nur Outletcity."

Auch Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer hat signalisiert, die Einigung zwischen Reutlingen und Metzingen mitzutragen. Das Klageverfahren ist noch nicht beendet, formal ist auch die Vereinbarung noch nicht abgeschlossen. Der entsprechende Raumordnungsvertrag - er soll zunächst für 15 Jahre gelten - muss noch formuliert werden, dann müssen die Gemeinderäte zustimmen. Bosch und Fiedler zeigten sich jedoch auch in dieser Hinsicht zuversichtlich.

Pro Jahr 3,5 Millionen Besucher in der Outletcity

Ausnahme Verwaltungstechnisch ist Metzingen ein Mittelzentrum, das Oberzentrum ist Reutlingen. Laut Landesentwicklungsplan sind Hersteller-Direktverkäufe grundsätzlich nur in Oberzentren möglich. Über mögliche Ausnahmen entscheidet das Regierungspräsidium. Im Februar 2015 hatte das Regierungspräsidium die Erweiterung von Boss und Holy in Metzingen genehmigt. Diese Entscheidung hatte Reutlingen mit einer Klage beim Verwaltungsgericht in Sigmaringen angegriffen. Rund 3,5 Millionen Besucher kommen jährlich in die Outletcity. IHK-Geschäftsführer Wolfgang Epp betonte angesichts der Einigung: "Das Metzinger Outlet hat eine hohe Bedeutung für die weitere Entwicklung des Destinationstourismus. Von diesem kann die ganze Region profitieren."

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