Historiker erforschen NS-Zeit in Ministerien

Welche Rolle spielten die Landesministerien zur NS-Zeit? Diese Frage soll ein Forschungsprogramm klären - mithilfe von Schulen und Studenten.

|

Eine solche Studie gibt es bislang auf Länderebene nirgendwo: Welche Rolle haben die obersten Landesbehörden in der Nazidiktatur gespielt? Gab es länderspezifische Zuständigkeits-Inseln im zentralistischen NS-System? Wie hat die Verwaltung die Nazi-Ideologie befördert - oder hat sie diese manchmal auch geblockt?

Diesen Fragen widmet sich in den kommenden drei Jahren eine Historikerkommission unter der Leitung des Heidelberger Historikers Edgar Wolfrum und seines Stuttgarter Kollegen Wolfram Pyta. Zur Seite stehen ihnen Experten: die Professoren Frank Engehausen aus Heidelberg, Christiane Kuller aus Erfurt, die Freiburgerin Sylvia Palatschek und aus Bonn Joachim Scholtysek.

Die Sechs wiederum leiten ein Team von sieben, von der Landesstiftung mit anderthalb Millionen Euro finanzierten Wissenschaftlern an, die allesamt Grundlagenforschung betreiben - und nicht etwa, so Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne), politische Auftragsforschung. Das Thema ist der Ministerin gleichwohl ein großes Anliegen: "Wir machen uns damit ehrlich vor der Geschichte, indem wir ein belastetes Erbe differenziert und systematisch aufarbeiten."

Der Kommission geht es dabei, so Wolfrum, nicht um Skandalisierung, nicht um die Entdeckung von Verstrickungen Einzelner, nicht um die großen Täter - sondern um die Erforschung von Bürokratiegeschichte. Es geht um große politische und gesellschaftliche Zusammenhängen jener "Diktatur auf Samtpfoten", so Pyta.

Dabei wird man auch mit französischen Stellen kooperieren, weil das Elsass unter deutscher Verwaltung stand. Auch die Öffentlichkeit soll eingebunden werden: "Geschichte ist Aufklärung, und Aufklärung braucht Reichweite", so Wolfrum. Deswegen wolle man private Quellen ebenso um Mitarbeit bitten wie Schulen oder Studenten.

Publiziert und diskutiert würden die Ergebnisse denn auch nicht erst am Ende in einem dicken Buch, sondern auch während des Verlaufs der Forschungen im Internet und bei übers Land verteilten lokalen Veranstaltungen.

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

19-Jähriger stirbt bei Segelflugzeug-Absturz

Ein Segelflugzeug ist am Samstagnachmittag bei Bartholomä im Ostalbkreis wenige Minuten nach dem Start abgestürzt. Der 19 Jahre alte Pilot aus Fellbach bei Stuttgart kam dabei ums Leben. weiter lesen