Himmlische Ruhe im Höllental

Wegen Felsräumarbeiten war die Straße durchs Höllental am Wochenende gesperrt. Im Ort Falkensteig, durch den sonst täglich zigtausende Fahrzeuge rollen, herrschte entspannter Ausnahmezustand.

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Die B 31 durchs Höllental war am Wochenende gesperrt - und auf einmal war Stille im sonst lärm- und verkehrsgeplagten Falkensteig. Foto: Petra Walheim

Endlich Ruhe. Nur das Rauschen des Rotbachs ist zu hören. "Es ist fast schon ein bisschen unheimlich", sagt Matthias Riesterer, ein Ureinwohner der kleinen Gemeinde Falkensteig. Der Ort gehört zu Buchenbach und ist von Freiburg her kommend die letzte Ortschaft, bevor die B 31 ins Höllental führt. Täglich fahren bis zu 25 000 Fahrzeuge durch die Gemeinde. Die B 31 ist die wichtigste Ost-West-Verbindung von Freiburg Richtung Ulm und umgekehrt. Deshalb sind darauf auch viele Lastwagen unterwegs. Riesterer ist mit Fahrzeuglärm, Auspuff-Dreck und Abgas-Gestank aufgewachsen.

Dieses Wochenende herrschte himmlische Ruhe im Höllental. Die Straße war wegen Felsräumarbeiten am Hirschsprung gesperrt. "So könnte es immer sein", sagt Matthias Riesterer. Die Nachbarn, mit denen er am Samstag an der fast autofreien Straße ein Grillfest feiert, pflichten ihm bei. Ja, so könnte es immer sein: Wenn der Tunnel gebaut würde, für den die Falkensteiger seit über 40 Jahren kämpfen. Matthias Riesterer ist ein heimatverbundener Falkensteiger, weshalb er, wie die anderen auch, nicht wegzieht. Und er ist Sprecher der Bürgerinitiative "Pro Falkensteigtunnel". Aktuell kämpfen die Bürger dafür, dass der Tunnel im Bundesverkehrswegeplan, der 2015 fortgeschrieben wird, in den vordringlichen Bedarf aufgenommen wird. Dafür haben sich der Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald und die Gemeinde Buchenbach bereit erklärt, die Planungskosten von drei Millionen Euro vorzufinanzieren.

Der Tunnel bringe Entlastung für die 230 Einwohner von Falkensteig sowie für die ganze Region, sagt Riesterer. Tatsächlich unterstützen die Bürgermeister der Gemeinden St. Märgen, St. Peter und Breitnau den Tunnel-Bau. Durch all diese beschaulichen Orte drängt sich der Verkehr, wenn die B 31 einmal gesperrt ist. Wie dieses Wochenende: Hinter den Lastwagen, die auf der steilen Strecke nur langsam vorankamen, bildeten sich kilometerlange Autoschlangen. Die Situation entspannte sich auch am Sonntag nicht, weil wegen eines Oberleitungsschadens die Höllentalbahn gesperrt war. Die Fahrgäste wurden mit Bussen weitertransportiert - und die belasteten die Umleitungsstrecken zusätzlich.

Von diesem Chaos bekamen die Falkensteiger außnahmsweise mal nichts mit. Sie konnten die Ruhe genießen. Nur hin und wieder verirrte sich ein Autofahrer in den Ort auf der Suche nach einer Möglichkeit, die Umleitung zu umfahren. Einige Anwohner machten sich einen Spaß daraus, darauf zu warten, bis die Autos zurückkamen. Denn es gab kein Durchkommen.

Das scheint es aber für die Falkensteiger auch in Stuttgart nicht zu geben, obwohl sie immer wieder mit spektakulären Aktionen auf das Problem aufmerksam machen: Im Sommer 2012 hatten sie vor Ort mit Traktoren, Kleinlastern und dem Drücken der Fußgänger-Ampel im Minutentakt den Verkehr ausgebremst und kilometerlange Staus verursacht. Außerdem habe Riesterer fünf Anfragen an die Landesregierung gestartet mit der Bitte um einen Gesprächstermin. Und fünf Absagen kassiert. "Wir haben nicht das Gefühl, dass unser Anliegen in Stuttgart wahr- und ernstgenommen wird", klagt Riesterer.

Hoffnung aus Entlastung
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