Hilfsfonds für Opfer stark nachgefragt

Die Berichte über einstige brutale Heimerziehung haben die Opfer ihre Scham überwinden lassen: Der Hilfsfonds trifft auf hohe Resonanz im Südwesten.

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Zwangsarbeit, Demütigung, Schläge - für viele Heimkinder gehörte in den 50er und 60er Jahren Missbrauch zum Alltag. Der Fonds Heimerziehung West, der die Opfer entschädigen soll, ist in Baden-Württemberg auf unerwartet hohe Resonanz gestoßen. "Es gab mehr Schicksale als angenommen", sagte Sozialministerin Katrin Altpeter (SPD) gestern.

Zum Schluss habe der Fonds immer stärkere Nachfrage erfahren: Allein im Dezember 2014, dem letzten Monat des Fonds Heimerziehung West, hätten sich im Südwesten 304 Betroffene gemeldet. Seit 2012 haben sich im Land 1690 Opfer registriert, etwa zehn Prozent der bundesweiten Meldungen (16 582). Im Schnitt betrug die Unterstützung 14 180 Euro für Sach- und Rentenersatzleistungen. Vor 50 bis 60 Jahren litten Tausende Kinder und Jugendlichen in westdeutschen Heimen von Kommunen, Kirchen oder Landeswohlfahrtsverbänden unter seelischer und körperlicher Gewalt.

Die vor Fristablauf registrierten Betroffenen können damit rechnen, eine Beratung bei der Anlaufstelle des Kommunalverbandes für Jugend und Soziales (KVJS) zu erhalten. Das Land stellt in diesem und im kommenden Jahr zusätzlich 5,1 Millionen Euro bereit, etwa um die Zahl der Berater aufstocken. Die bisherige Hilfe im Südwesten von 6,2 Millionen Euro entfiel zu zwei Dritteln auf das Land, zu einem Drittel auf die Kommunen. Der Gesamtfonds in Höhe von 120 Millionen Euro bundesweit war bereits im Herbst 2014 ausgeschöpft. Altpeter rechnet damit, dass der Fonds in einem ersten Schritt um 60 Millionen Euro und danach je nach Bedarf um weitere Summen erhöht wird.

Der Fonds geht unter anderem auf die Initiative ehemaliger Heimkinder zurück, die sich 2006 an den Petitionsausschuss des Bundestages gewandt hatten. Als einziges Land hat Baden-Württemberg sein Landesarchiv beauftragt, die Heimerziehung aufzuarbeiten, den Betroffenen bei der Recherche zu helfen und Erlebnisse aufzunehmen. Die Ergebnisse der Arbeit sollen Mitte des Jahres in einer Wanderausstellung gezeigt werden.

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