Heuss-Medaille für stille Helfer der Flüchtlingskrise

Im Mittelpunkt steht die Zivilgesellschaft: Fünf Theodor-Heuss-Medaillen belohnen im Jahr 2016 die praktizierte Solidarität von Bürgern mit Flüchtlingen.

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"Erst der spontane, beherzte Einsatz überwältigend vieler Menschen für Geflüchtete hat es möglich gemacht, die unendlichen praktischen Probleme zu lösen", so steht es in der Urkunde zur Verleihung der Theodor-Heuss-Medaille, mit der die gleichnamige Stiftung "die stillen Helfer" ausgezeichnet hat. Flüchtlingshelferin Marina Silverii hielt die Auszeichnung am Samstag in Stuttgart in Händen. Sie übernahm die Medaille im Namen all jener Zehntausender, die bis heute Geflüchtete bei der Ankunft versorgen und ihnen helfen, im deutschen Alltag Fuß zu fassen.

"Bewusst haben wir dieses Mal keine einzelne Person ausgezeichnet, sondern die Zivilgesellschaft als ganze", erklärte der Vorstandsvorsitzende der Stiftung, Ludwig Theodor Heuss, Enkel des ersten Bundespräsidenten. Vier weitere Medaillen gingen an Projekte in Deutschland, die sich besonders kreativ der Integration von Flüchtlingen verschrieben haben. "Zivilgesellschaft ist nicht die Alternative, sondern das Modell" für den offenen, den Menschen zugewandten Umgang mit der neuen Herausforderung, sagte Heuss. Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) stellte in ihrem Grußwort zufrieden fest: "Unser Land kann Solidarität." Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) bezifferte den gesellschaftlichen Zusammenhalt: den 8500 Flüchtlingen in der Landeshauptstadt stünden rund 3000 ehrenamtliche Helfer zur Seite.

Die Festrede hielt der Vorstandschef der Daimler Benz AG, Dieter Zetsche. Er zeigte sich überzeugt, dass die vielen Flüchtlinge "ein großes Potenzial" darstellten. Gerade die Wirtschaft sei gefordert, es zu heben. "Unternehmen sind echte Integrationsmaschinen", sagte Zetsche und verwies darauf, dass in den Werken von Daimler Menschen aus 140 Ländern arbeiteten. "Kulturelle Vielfalt ist die Realität unserer Welt."

Mit Blick auf den Fachkräftemangel sagte Zetsche, Zuwanderung werde auf lange Sicht die Voraussetzung für unseren Wohlstand sein. Um die Herausforderung zu meistern, sei es hilfreich, sich an drei Grundsätzen der Wirtschaft zu orientieren: Pragmatismus - also auch unbürokratisches Reagieren, Weltoffenheit und eine positive Grundhaltung, die darauf setze, dass jeder seine Chance erhalten solle.

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