Hetzparolen aus dem Drucker

Antisemitische Hetze und Zitate aus Hitlers "Mein Kampf" sprudelten in zigfacher Ausfertigung aus Tübinger Uni-Druckern. Ursache ist ein Hacker-Angriff, auch andere Universitäten sind betroffen.

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Überraschung am Drucker: Als Hetzparolen in zigfacher Ausfertigung gedruckt wurden, hatten Angestellte zunächst Kollegen in Verdacht.  Foto: 

"Europa, erwache!" - so ist der Ausdruck überschrieben, der am Mittwoch in 190-facher Ausführung aus Netzwerkdruckern der Universität Tübingen quoll. Viele Mitarbeiter, die das von rechter Hetze strotzende Dokument im Ausgabeschacht entdeckten, befürchteten zunächst, ein Kollege könne dahinterstecken. Später gingen aber ähnliche Meldungen aus Instituten bei Rechenzentrum und Rechtsabteilung der Uni ein. Später wurde bekannt, dass weitere Universitäten, unter anderem Hamburg und Erlangen-Nürnberg, betroffen waren.

In dem Text, der unserer Zeitung vorliegt, geht es um "die Worte eines früheren europäischen Führers" - dass diese ausgerechnet an Adolf Hitlers Geburtstag (20. April) verbreitet wurden, ist sicher kein Zufall. Es folgt rechte Hetze in wohlbekannter Wortwahl, ein Zitat aus "Mein Kampf" über Juden und Schwarze und schließlich eine wilde Verschwörungstheorie. Die Sicherheitslücke wurde laut Uni-Pressestelle inzwischen geschlossen.

Der Vorfall erinnert an einen Cyber-Angriff von Ende März, bei dem US-Unis mit Ausdrucken ähnlicher antisemitischer und rassistischer Flyer überflutet worden waren. Ein Hacker bekannte, das mit Hakenkreuzen versehene Pamphlet auf tausende öffentlicher Netzwerkdrucker geschickt zu haben.

Der Staatsschutz ermittelt wegen des Verdachts der Volksverhetzung. Laut Polizei waren am Mittwoch auch auf dem internetfähigen Drucker einer Privatperson volksverhetzende und mit Schmähungen versehene Schriftstücke automatisch ausgedruckt worden. Bei allen betroffenen Druckern handelte es sich demnach um Geräte, die direkt über das Internet angesteuert werden können. Die Ermittlungen der IT-Spezialisten bei der Kriminalinspektion Cyberkriminalität gestalteten sich entsprechend schwierig.

Zum Schutz vor derartigen Angriffen empfiehlt die Polizei, mit dem Internet verbundene Drucker oder Druckernetzwerke entsprechend zu sichern: Druckerkonfigurationen und Netzwerke könnten durch Passwörter geschützt werden. Werkseitig vorgegebene Standardpasswörter sollten geändert werden. Betroffene Behörden oder Firmen können sich an die Zentrale Ansprechstelle Cybercrime des LKA wenden.

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