Helfen statt zanken

Die katholische Kirche will ihre Hilfe für Flüchtlinge erweitern. Bei ihrer Frühjahrstagung im Kloster Schöntal hat die Deutsche Bischofskonferenz ein Leitbild beraten und Rechtspopulismus scharf kritisiert.

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Eröffnungsgottesdienst der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in der Klosterkirche St. Josef im Schöntal. Das Flüchtlingsthema steht im Mittelpunkt des Treffens der Geistlichen.  Foto: 

Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), fand deutliche Worte für "rhetorische Dramatisierungen und engstirniges Gezänk". Gerade jetzt, da sich "Anzeichen von Verunsicherung und Überforderung mehren", dürfe man sich nicht "von diffusen Ängsten aus der Bahn werfen lassen". Bei der Herausforderung durch anhaltend hohe Flüchtlingszahlen werde "tatkräftiges Engagement statt Untergangsgeraune" benötigt.

Bei ihrer Frühjahrstagung befasste sich die Bischofskonferenz im Kloster Schöntal (Hohenlohekreis) gestern mit der "Kultur der Aufnahme und der Solidarität". Die 64 DBK-Mitglieder wollten nicht "oberflächlich diskutieren und Schlagzeilen machen", sondern sich "wirklich informieren und analysieren", erklärte Marx. Deshalb luden sie den Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) und Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) ebenso ins Kloster ein wie den Caritas-Präsidenten Peter Neher, den Migrationsforscher Jochen Oltmer aus Osnabrück, den Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen, Volker Türk, und den Kardinal aus Agrigent, Francesco Montenegro, zu dessen Diözese die Insel Lampedusa gehört.

Bereits am Montag, vor der Eröffnung, steckte Marx den Kurs ab: "Wer europäischen Boden betritt, muss menschenwürdig behandelt werden." Ein rechtsstaatliches Verfahren gehöre zu den "Basics, an denen nicht gerüttelt werden darf". Gestern bekannte sich der Kardinal aus München und Freising zur "humanitären Verpflichtung gegenüber den Flüchtlingen und Asylsuchenden". Dabei habe die Bundesregierung, "im Vergleich zu anderen europäischen Regierungen", viel getan: "Diese Politik darf auch künftig nicht in Frage gestellt werden." Ganz Europa sei aufgefordert, einen "angemessenen Beitrag" zu leisten, sonst könne es Schaden nehmen.

Allerdings seien die "berechtigten Anliegen der Aufnahmegesellschaft" zu berücksichtigen. Menschen, die sich ohnehin am Rand der Gesellschaft gedrängt fühlten, empfänden die aktuelle Entwicklung als besonders beunruhigend. Die Angst vor "staatlichem Kontrollverlust" breite sich quer durch alle Gruppen und Schichten aus. Die Bischöfe sorgten sich, weil "rechtspopulistische Bewegungen die Ängste und Verunsicherungen gezielt für ihre menschenfeindliche Agenda ausnutzen und verstärken". Alle relevanten Kräfte müssten zusammenwirken im "Kampf gegen Fremdenhass, Gewalt und Intoleranz".

2015 gaben die 27 Bistümer und die kirchlichen Hilfswerke 71 Millionen Euro für Initiativen im Inland und 41 Millionen Euro für Flüchtlingsprojekte in Krisenregionen aus. 2014 waren es 73 Millionen. "Wir werden uns weiter anpassen", versicherte Marx. Dabei würdigte er den Einsatz von 5100 hauptamtlichen Mitarbeitern und über 100.000 ehrenamtlich Engagierten: "Das ist ein Schatz für unsere Gesellschaft."

Norbert Trelle, Bischof von Hildesheim und Vorsitzender der Migrationskommission der DBK, lehnte eine "Obergrenze" für Flüchtlinge ab. Ein solches Limit sei nicht vereinbar mit dem Grundgesetz und der Genfer Konvention, "ganz abgesehen von den Problemen der praktischen Umsetzbarkeit". Die Bischöfe legten auch großen Wert auf "die Einheit der Familie", die beim Nachzug zu berücksichtigen sei. Gerade bei der Integration sei der familiäre Zusammenhalt wichtig.

Der Hamburger Erzbischof Stefan Heße, Sonderbeauftragter für Flüchtlingsfragen, nannte als Beispiele eines Leitbilds die bessere Nutzung kirchlicher Kapazitäten für die Unterbringung, die Eingliederung in den Arbeitsmarkt in kirchlichen Einrichtungen. Es sei "ein riesiger Berg an Herausforderungen". Ein Leben in Wohlstand wie auf einer Insel, die Armen fern gehalten - "das ist vorbei".

Flüchtlinge dürften nicht als Bedrohung verstanden werden, appelliert Kardinal Marx. Er fühle sich eher bedroht von Waffen, von Hass und Gewalt in unserer Gesellschaft, "aber nicht von der Mutter, die mit ihrem Kind im Schlauchboot sitzt".

Investitionsschub vor dem Einzug der Bischöfe

Mehr Wärme Die Frühjahrsvollversammlung der Bischofskonferenz hat der Barockkirche des früheren Zisterzienserklosters Schöntal zu einer überfälligen Verbesserung verholfen. Die Heizung im vorderen Teil des Gotteshauses wurde erneuert, weil die alte Apparatur "brandgefährlich" gewesen sei, erklärte Uwe Renz von der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Die Kosten von 32.000 Euro trage zu 60 Prozent das Land als Eigentümerin, den Rest teilten sich Bistum, Ausgleichsstock der Diözese und Kirchengemeinde.

Schönere Stühle Für 3800 Euro wurden neue Sedilien beschafft, dabei handelt es sich um Hocker für Priester und Ministranten im Altarraum. Modernisiert wurde außerdem das Elektriksystem, weil das bisherige nicht mehr sicher war und für den erhöhten Bedarf der Medien nicht ausgereicht hätte. Renz sprach angesichts der Investitionen von einer "Win-win-Situation" für Gottesdienstbesucher und Bischöfe.

Größere Bekanntheit Für Bürgermeisterin Patrizia Filz ist es "eine ganz besondere Ehre", die Bischöfe in Schöntal vier Tage zu Gast zu haben. Die bundesweite Berichterstattung verfolge sie "mit großem Interesse". Bei der DBK sind 65 Medienleute akkreditiert.

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