Heilbronn tauft Hochbunker um

Den harmlosen Namen Theresienturm trägt jetzt ein ganz besonderes Bauwerk in Heilbronn. Es ist ein 76 Jahre alter Bunker, der im Zweiten Weltkrieg nach einem Nazi-General benannt worden ist.

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Harmloser Name für Heilbronner Hochbunker: Der Gemeinderat tilgt den "General Wever".  Foto: 

Der Gemeinderat hatte eine große Auswahl. Die Verwaltung schlug "Bunkerturm Theresienwiese" vor, Stadträte diverser Fraktionen brachten als angeblich bessere Alternative "Theresienbunker", "Hochbunker an der Theresienwiese", "Luftschutzturm" ins Gespräch. Letztlich entschied sich eine knappe Mehrheit für "Theresienturm". Alle Namen stehen für ein ungewöhnliches Bauwerk, das aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs stammt und bisher "General-Wever-Turm" hieß. Nach Informationen der Stadtverwaltung ist dieses 28,50 Meter hohe "Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung" heute in Deutschland "einzigartig".

Es handelt sich dabei um einen Hochbunker, der 1940 von einer Düsseldorfer Firma errichtet worden ist. Den Auftrag dafür hatte jenes Reichsluftfahrtministerium gegeben, dessen führender Mitarbeiter der General Walther Wever gewesen ist. Ihn, der neben Hermann Göring zum ersten Generalstabschef aufgestiegen war, wollte man ehren, indem der schützende Turm seinen Namen bekam. Wever hatte sich um die Entwicklung von Flugzeugen für eine besonders effektive Luftkriegsführung gekümmert. 1936 ist er in Dresden bei einem unaufgeklärten Absturz einer Heinkel He 70 tödlich verletzt worden.

Wever, der als Preuße aus dem Kreis Bromberg keinerlei Beziehung zum württembergischen Unterland hatte, blieb den Heilbronnern stets fremd. Viele vermuteten hinter dem Namen, der irgendwie amerikanisch anmutet, einen ruhmreichen US-Offizier. Auch wenn wegen einer zeitweise angebrachten Leuchtreklame mitunter vom "MAN-Turm" gesprochen wurde, behielt der nutzlos gewordene Bunker doch offiziell seine ursprüngliche Bezeichnung.

"Der Name ist heute nicht mehr zeitgemäß", ließ Oberbürgermeister Harry Mergel (SPD) in die Vorlage für die Ratssitzung schreiben, "er wurde vom NS-Regime vergeben, hat keinen Bezug zu Heilbronn und lässt die frühere Funktion des Turmes nicht erahnen."

Nun also heißt das ungewöhnliche Baudenkmal "Theresienturm", weil er am Rand eines Festgeländes wie eine Art Wahrzeichen steht. Auf diesem Platz war am 25. April 2007 die Polizistin Michèle Kiesewetter getötet wurden. Mit dem Mord soll der "Nationalsozialistische Untergrund" eine beispiellose Verbrechensserie beendet haben.

Was mit dem sperrig-stabilen, abrissbirnenfesten Rundling geschehen soll, steht noch nicht fest. Der Bunker mit Platz für 1000 Menschen überstand zahlreiche Bombardements bis 1945 fast ohne Schaden. Der Zugang ist derzeit nur über Leitern möglich. Denkbar scheint zum jetzigen Zeitpunkt nur eine Nutzung als Dokumentationsstätte zu sein.

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