Heidelberg: Gericht verhandelt Amokfahrt

Am Dienstag beginnt die Verhandlung gegen einen Mann, der im Februar in Heidelberg mit dem Auto in eine Menschenmenge raste. Ein Mensch starb damals.

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Richterhammer: Prozess zu Amokfahrt  Foto: 

Für seine Amokfahrt am Heidelberger Bismarckplatz muss ein 35-jähriger Mann wohl nicht ins Gefängnis. Vor Beginn des Prozesses am morgigen Dienstag teilte das Landgericht mit, es müsse angenommen werden, „dass der Angeklagte die Taten aufgund einer schweren psychischen Erkrankung und damit im Zustand der Schuldunfähigkeit begangen habe“. Dies sei das Ergebnis eines „vorläufigen Sachverständigengutachtens“.

Das Schwurgericht hat für den Prozess vier Verhandlungstage reserviert. Nach dieser Planung wäre mit einem Urteil am 12. September zu rechnen. Für die Beweisaufnahme sind drei Sachverständige und 26 Zeugen geladen.

Ein 73-Jähriger stirbt

Was sich am Samstag, 25. Februar, kurz vor 16 Uhr abspielte, wird in der Anklage als „Mord mit Tateinheit mit versuchtem Mord in drei Fällen und mit Körperverletzung in zwei Fällen“ gewertet. Der Fahrer eines Mietwagens habe das Auto im Fußgängerbereich „absichtlich in eine Personengruppe gelenkt“. Ein 73 Jahre alter Mann erlitt dabei so schwere innere Verletzungen, dass er vier Stunden später im Krankenhaus starb. Zwei weitere Personen hätten „aufgrund des Aufpralls verschiedene Verletzungen erlitten“. Bei diesem Paar, das „von hinten erfasst“ worden sei, soll es sich um einen Österreicher (32) und seine Begleiterin aus Bosnien-Herzegowina (29) handeln.

Der Angeklagte soll aus dem Auto gestiegen sein und versucht haben, einen der herbeigeeilten Polizisten mit einem Messer zu erstechen. Weil er die Waffe nicht wegwarf, schoss ihm der Beamte in den Bauch. Es wird vermutet, dass der Täter bewusst seinen eigenen Tod herbeiführen wollte.

Die Tat unweit der Altstadt hatte großes Aufsehen erregt. Vor allem in Internetforen wurden rasch Verbindungen hergestellt zu Terroranschlägen mit Lastwagen in Nizza und Berlin. Für viele Nutzer galt auch ohne konkrete Informationen als ausgemacht, dass es sich um einen Muslim handeln müsse. Das Polizeipräsidium in Mannheim mühte sich nach Kräften, die Desinformation mit deutlichen Worten zu korrigieren: „Und noch einmal für alle: Tatverdächtiger Deutscher OHNE Migrationshintergrund.“ Die Kommentare im Netz gerieten dennoch so ausfällig, dass die Polizei zwölf Anzeigen erstattet hat. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft in Heidelberg wegen des Verdachts der üblen Nachrede, Beleidigung, Volksverhetzung und Verunglimpfung des Staates und seiner Einrichtungen.

Bei dem Angeklagten handelt es sich um einen Mann, der offenbar zuletzt im Heidelberger Stadtteil Ziegelhausen gewohnt hat. Trotz seiner 35 Jahre wurde sein Beruf mit „Informatikstudent“ angegeben. Nach Medienberichten stammt Mathias K. nicht aus dem Raum Heidelberg, zuletzt sei er wissenschaftlicher Mitarbeiter eines Instituts gewesen. Allem Anschein nach leidet er seit längerer Zeit unter Depressionen. Seit Mitte Mai sei er „vorläufig in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht“, teilte die Staatsanwaltschaft mit. In einer solchen Einrichtung will sie ihn auch nach dem Prozess wissen. Hinweise auf einen terroristischen oder extremistischen Hintergrund gebe es nicht.

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