Heidelberg baut einen 75 Meter hohen Energiespeicher

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So soll der Energiespeicher in Heidelberg einmal aussehen. Ende 2018 soll er fertig sein. Für Aussichtsplattform und Bistro ist auf dem 75-Meter-Bauwerk auch noch Platz.  Foto: 

Heidelbergs kulturelle und intellektuelle Tradition soll auch die Energiewende beflügeln. Deshalb bauen die Stadtwerke im Stadtteil Pfaffengrund nicht nur einen Energiespeicher, sondern umgeben diesen auch mit einem Park, der die Wende auf dem Energiesektor erlebbar machen soll, wie Stadtwerke-Sprecherin Ellen Frings sagt. Nebenbei erhält Heidelberg mit dem neuen Warmwasserspeicher ein neues Wahrzeichen. Bis 1985 stand dort ein 75 Meter hoher Gaskessel. Immerhin 55 Meter hoch soll der neue Speicher werden und oben, in 48 Meter Höhe, entsteht ein Bistro als „Eventgastronomie“, darüber eine Aussichtsplattform, die einen Blick aufs andere Wahrzeichen, das Schloss, ermöglichen soll. Ein Berliner Architektenbüro hat den Zuschlag erhalten, Baubeginn soll im September sein, Ende 2018 könnte der Energiespeicher  in Betrieb gehen.

 Die Angst vor der Energiewende sei unbegründet, sagt Michael Teigeler, Geschäftsführer Energie der Stadtwerke. Das städtische Unternehmen will deren Akzeptanz erhöhen. „Wir wollen sie auf regionaler Ebene voranbringen“, sagt Frings. Der Park um den Speicher soll Besucher zum Mitmachen animieren, die Energiewende könne auch interaktiv erlebt und verstanden werden.

Noch in diesem Jahr will Heidelberg komplett auf Atomstrom verzichten, die Stadtwerke setzen auf den Ausbau der Fernwärme, weil diese energiesparend und akzeptiert sei. „Fernwärme ist echt beliebt, die Leute in Heidelberg mögen sie“, sagt Frings. Und der Klimaschutz sei für die Bevölkerung von großer Bedeutung, die Stadtwerke wollen deshalb die „grünen Services“ ausbauen.

Der kommunale Energieversorger kommt mit dem Speicher dem Ziel der „Energiekonzeption 2020“ ein Stück näher. Stadtspitze und Oberbürgermeister Eckard Würzner stünden voll hinter dieser Politik, betont Teigeler. Fernwärme macht Öl- oder Gastanks im Keller überflüssig und sei nachhaltig. Diese Energieform soll so dezentral wie möglich erzeugt werden, „alles, was nicht transportiert werden muss, ist von Vorteil“, auch für den Verbraucher. Schon heute erzeugen die Stadtwerke die Fernwärme zu 20 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen. Dieser Anteil sei noch steigerungsfähig, sagt Teigeler. „Das 212 Kilometer lange Fernwärmenetz bietet zudem die Voraussetzung, um erneuerbare Energien aus neuen Erzeugungsanlagen besonders effizient zu nutzen.“

Dezentrale Versorgung

Neben den Standort des geplanten Wärmespeichers ist 2014 ein 20 Millionen Euro teures Holz-Heizkraftwerk in Betrieb gegangen, nach Teigelers Worten „eine der größten dezentralen Anlagen in Deutschland auf der Basis von Holz und der Kraft-Wärme-Koppelung“. Hauptsächlich Grünschnitt und bei der Landschaftspflege anfallendes Material wird hier verbrannt, es versorgt auch den neuen Stadtteil Bahnstadt, der auf dem Gelände des ehemaligen Güter- und Rangierbahnhofs entstanden ist. Die Bahnstadt mit am Ende 3000 Wohnungen gilt als europaweit größte Passivhaussiedlung, sie sei „rechnerisch nahezu klimaneutral“, sagt Teigeler.

Langfristig wollen die Stadtwerke den Anteil der Fernwärme an der Energieversorgung von gegenwärtig 42 auf 50 Prozent steigern. Auch bei der Strom-Eigen­erzeugung soll der Anteil auf 30 bis 40 Prozent erhöht werden. Wärme kann allerdings in Heidelberg bisher nicht gespeichert werden, sie muss verbraucht werden, wie sie anfällt. Hier kommt der neue Speicher ins Spiel: Zu verbrauchsarmen Zeiten wird Wasser erhitzt, um Energie zu konservieren und bei Bedarf abrufen zu können. Der nach Angaben Teigelers gut isolierte Turm fasst fast 13 000 Kubikmeter Wasser, was einer halben Badewanne für jeden Heidelberger entspreche.

Zehn Millionen Euro wird der Speicher kosten. Zwei Panorama-Aufzüge außen und in ein Stahlnetz eingehängte Edelstahlplatten, die den Tank kaschieren, inklusive. „Der Baukörper folgt städtebaulichen Bezügen“, beschreibt das Berliner Büro LAVA – Laboratory for Visionary Architecture – seinen Entwurf. Vor allem aber dient er der Versorgung Heidelbergs mit Fernwärme – „dem Rückgrat der Energiewende“, wie der Projektleiter Versorgung Heiko Faulhammer sagt.

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