Hass auf Religion: Lebenslange Haft für 25-Jährigen

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Ein Schild mit der Aufschrift „Landgericht Freiburg“. Foto: Patrick Seeger/Archiv

Nach dem Mord an einer 31 Jahre alten Frau in einer Studenten-Wohngemeinschaft in Freiburg ist der Täter zu einer lebenslangen Gefängnisstrafe verurteilt worden. Der 25-Jährige habe die Tat geplant und sei trotz einer Persönlichkeitsstörung voll schuldfähig, entschied das Landgericht Freiburg am Montag. Seine Unterbringung in der Psychiatrie sei rechtlich nicht möglich. Der 25-Jährige hatte zugegeben, im August vergangenen Jahres aus Hass und Verachtung seine Mitbewohnerin getötet zu haben. Wegen deren Religiosität habe er die junge Frau verachtet und mit einem Messer erstochen. Die 31-Jährige starb am Tatort. Sie war Christin und kirchlich aktiv. Täter und Opfer lebten gemeinsam in einer Wohnung.

Der aus Baden-Württemberg stammende Mann hatte sich als „Antitheist“ bezeichnet, er lehne also jeden Glauben ab. Dies sei das Motiv. In seinem letzten Wort vor dem Urteil hatte er diese Begründung für die Tat selbst jedoch „dämlich“ genannt.

Die tödliche Tat und das Motiv seien schwer nachvollziehbar, sagte die Vorsitzende Richterin Eva Kleine-Cosack in der Urteilsbegründung. Das Opfer war zwar religiös. Ihr Mitbewohner sei davon aber nicht betroffen gewesen, zudem habe er die Frau kaum gekannt. „Er hat sie stellvertretend für alle Gläubigen getötet, weil er nicht alle Gläubigen töten konnte.“ Seinen Hass auf Religion habe er Tage zuvor in einem „Manifest“ erklärt. Dieses fanden Ermittler auf seinem Computer. Kurz nach der Bluttat hatten sie den Mann festgenommen.

Die aus Paderborn stammende Frau war zehn Tage vor der Tat nach Freiburg in die Wohngemeinschaft gezogen. Sie wollte in Freiburg in einem Gebetshaus arbeiten. Damit zog sie den Ermittlungen zufolge den Hass des Mitbewohners auf sich. Dieser leide zwar unter einer psychischen Störung, dennoch sei er schuldfähig. Eine besondere Schwere der Schuld stellte das Gericht nicht fest. Der Mann könnte also nach 15 Jahren aus der Haft entlassen werden.

Mit dem Strafmaß folgte das Gericht den Anträgen von Staatsanwaltschaft und Nebenklage. Der Verteidiger hatte keinen konkreten Antrag gestellt, sich jedoch für eine Unterbringung des Mannes in der Psychiatrie ausgesprochen.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Möglich ist den am Prozess Beteiligten, innerhalb einer Woche Revision einzulegen. Staatsanwalt und Verteidiger sagten jedoch am Montag, dass sie dies voraussichtlich nicht tun werden (Az. 1 Ks 200 Js 25123/16).

Mitteilung der Polizei vom 11.8.2016

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