Hagelsturm richtet enorme Schäden an Gebäuden und Autos an

Überschwemmte Straßen, demolierte Autos, Schäden an tausenden Gebäuden: Das Unwetter vom Sonntagabend hat ein Bild der Verwüstung hinterlassen. Nicht zuletzt gab es auch hunderte Verletzte.

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Wer in letzter Sekunde noch versuchte, zu retten, was zu retten ist, erlebte am eigenen Leib, wie weh teils tennisballgroße Hagelkörner tun können. "In der Notaufnahme herrschte zwei bis drei Stunden enormer Andrang. Es mussten 60 Patienten versorgt werden", sagt Dr. Katja Mutter, Chefärztin der Zentralen Notaufnahme in der Klinik am Eichert in Göppingen. Kopfplatzwunden, Prellungen, Schnittwunden. In den Kliniken in Tübingen und Reutlingen meldeten sich 250 Patienten. Viele wurden bei Radtouren oder auf dem Heimweg vom Freibad vom Unwetter überrascht.

Am Tag nach dem schweren Unwetter mit Hagel und Sturmböen hat gestern das große Aufräumen in den betroffenen Regionen begonnen. Demolierte Autos, beschädigte Häuser, Überschwemmungen: Laut ersten Schätzungen sollen die Schäden rund 100 Millionen Euro betragen, mindestens 25 000 Gebäude sollen laut der SV Sparkassenversicherung beschädigt sein. "Ein Chaos wie im Krieg. So etwas habe ich in 20 Dienstjahren noch nie erlebt", sagt Metzingens Feuerwehrkommandant Hartmut Holder.

Komplette Straßenzüge wurden vom Unwetter verwüstet: Zertrümmerte Front-, Heck- und Seitenscheiben von Autos, eingeschlagene Dachfenster, zerfetzte Solaranlagen. Wer die Rollläden schloss, erlebte ebenfalls sein blaues Wunder: Die Hagelkörner knallten einfach hindurch. Auch Fassaden und Dächer wurden durchlöchert. Um zusätzliche Schäden zu verhindern, bringt die Feuerwehr Folien auf Dächern auf, damit kein Wasser mehr in Häuser und Wohnungen läuft. "Das Problem ist, dass man kaum noch Folie bekommt", sagt Holder - und der Einsatz ist für die Feuerwehrleute hoch gefährlich. Eine Gärtnerei ist auch mit Folie nicht mehr zu retten - 4000 Quadratmeter Glasfläche sind dort eingestürzt, die Pflanzen darunter sind zerstört.

Ein Bild der Verwüstung bot sich den Helfern gestern auch in Reutlingen. Er habe Signale von Versicherungen, dass 80 Prozent der Gebäude Schäden aufweisen, sagte Karl-Heinz Walter, Geschäftsführer der Wohnungsgesellschaft GWG. "Viele Fassaden sehen aus wie nach einem Beschuss", sagte Oberbürgermeisterin Barbara Bosch. Mancherorts sehe es aus wie nach einem Einsatz des berüchtigten Entlaubungsmittels Agent Orange

Alle Hände voll zu tun haben die Handwerker: Dachdecker, Glaser und Kfz-Werkstätten in Reutlingen und im Großraum Stuttgart seien quasi rund um die Uhr im Einsatz, sagte eine Sprecherin des baden-württembergischen Handwerktags. Es würden Firmen aus anderen Kreisen angefordert, Mitarbeiter müssten Urlaube abbrechen. Wie viele Autos beschädigt wurden, kann zur Zeit keiner sagen. Aber die Werkstätten arbeiten rund um die Uhr. Dabei sind viele Autohäuser selbst betroffen: Besonders gebeutelt ist ein Gebrauchtwagenhändler in Reutlingen: Alle seine 40 Autos sind beschädigt, manche haben 300 bis 400 Dellen im Blech. "Das kostet mich 150 000 Euro, denn ich bin nicht versichert", klagt Ghassan Hussein. "Ich weiß nicht, was ich machen kann, wie ich weiterleben soll."

Mehr Fotos unter swp.de/bilder

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