Hackerangriff an Unis: Kopierer spucken antisemitische Pamphlete aus

Hacker greifen mehrere Universitäten in Deutschland an. In Tübingen drucken Kopierer Pamphlete mit antisemitischem Inhalt aus. Die Uni hat Anzeige erstattet. Die Polizei ermittelt wegen Volksverhetzung.

|
Hacker greifen mehrere Universitäten in Deutschland an. In Tübingen drucken Kopierer Pamphlete mit antisemitischem Inhalt aus.  Foto: 
Die Universität Tübingen und andere deutsche Hochschulen sind Opfer eines Hackerangriffs geworden.
„Netzwerkdrucker und Kopierer spuckten wie von Geisterhand rassistische und antisemitische Pamphlete aus“, sagte der Sprecher der Tübinger Universität, Karl Rijkhoek, am Donnerstag. Betroffen waren den Angaben zufolge unter anderem auch die Universitäten Hamburg, Bonn, Münster, Lüneburg, Bremen und Erlangen-Nürnberg. Die Online-Portale der „Funke Mediengruppe“ hatten zunächst darüber berichtet.

Ersten Erkenntnissen zufolge drangen eine oder mehrere Personen aus dem Ausland in die Drucker-Netzwerke in Tübingen ein, sagte Rijkhoek. An der Universität habe es am Mittwoch 190 Ausdrucke gegeben, manche Drucker seien mehrfach angesteuert worden. Einen vollständigen Überblick gebe es aber noch nicht. Die Sicherheitslücke sei mittlerweile geschlossen worden.

Der Rektor der Universität, Bernd Engler, erstattete Anzeige bei der Polizei. Das Dezernat Staatsschutz des Polizeipräsidiums Reutlingen ermittelt nun wegen Volksverhetzung gegen die noch unbekannten Versender rechtsradikaler Pamphlete, wie ein Polizeisprecher sagte. „Alle betroffenen Drucker konnten direkt über das Internet und von daher auch weltweit von überallher angesteuert werden“, teilte die Polizei mit. Auch IT-Spezialisten seien in die schwierigen Ermittlungen eingebunden.

Auf den Pamphleten sei ein Text mit großen Buchstaben in schlechtem und fehlerhaftem Deutsch abgedruckt, sagte Rijkhoek. Der Text wende sich gegen Menschen jüdischen Glaubens und Menschen, die nicht der „weißen Rasse“ entsprechen. „Es sind diverse krude Thesen, die teils in Frageform, teils in Behauptungen“ verbreitet werden.“

In den Hetzschriften werde der Eindruck erweckt, die „weiße Rasse“ sei bedroht und müsse Widerstand leisten. Auf Anraten der Polizei will Rijkhoek den genauen Inhalt der Hetzschrift nicht preisgeben, um sich nicht wegen der Verbreitung volksverhetzender Schriften strafbar zu machen.

An der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn waren den Angaben zufolge die Institute der Asienwissenschaften und Theologie betroffen. An der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster ist eine
zweistellige Zahl von Druckern gehackt worden. Ein Sprecher der Universität Münster sagte, Drucker seien weniger gesichert und daher auch anfälliger für Hackerangriffe.

Ähnliche Texte tauchten vor kurzem auch an mehreren amerikanischen Universitäten auf. Der Text erinnere daran, sagte Rijkhoek. Laut einem Bericht der „Washington Post“ hatte sich damals ein polizeibekannter, rassistischer Hacker zu den Angriffen bekannt. Auf den Zetteln waren demnach Hakenkreuze und die Internetadresse einer Neonazi-Seite aufgedruckt.

Einen derartigen Vorfall habe es in Tübingen bislang nicht gegeben. Mitarbeitern der Uni seien die Hetzschriften zuerst am Mittwochvormittag aufgefallen, sagt Rijkhoek. Sie seien „sehr verunsichert“ gewesen. Mehrere Mitarbeiter hätten die Hetzschriften im Hochschulrechenzentrum, in der Rechtsabteilung sowie in der Pressestelle der Universität gemeldet.
Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Laster reißt Ampeln am Bahnhof um - Straßenbahn steht still

Ein Lkw hat in der Friedrich-Ebert-Straße eine Ampel umgerissen. Die Straße ist auf Höhe des Bahnhofs gesperrt. Straßenbahn und Busse haben massive Verspätung. weiter lesen