Grün-Schwarz wertet Realschulen auf

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Realschulen bekommen bis zum Ende der Legislaturperiode ein neues Gesicht. Das Kabinett  hat gestern ein neues Konzept zur Anhörung freigegeben. Die Realschule sei eine tragende Säule des Schulsystems, so Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU). Bis  2021 werden neue Stellen aufgebaut, die in 20 zusätzlichen Poolstunden gezielte Förderung ermöglichen sollen. Die Eingangsklassen fünf und sechs dienen der Orientierung. Nach der fünften Klasse gibt es Noten, sitzen bleibt jedoch niemand. Ab Klasse sieben wird in zwei Schwierigkeitsstufen unterrichtet: auf Haupt- oder Realschulniveau. Ein Wechsel zwischen den Niveaus  ist am Ende der  siebten und achten Klasse möglich.

Die Differenzierung zwischen starken und schwachen Kindern geschieht in Kleingruppen innerhalb einer Klasse oder in einem eigenen Zug. Für eine solche neue Klasse muss sich die Realschule personell aus Bordmitteln bedienen, neue Lehrer gibt es nur über einen Umweg: Bis zum Schuljahr 2020/21 wird die Zahl der Verfügungsstunden auf 20 erhöht, das bedeutet für die 429 öffentlichen Realschulen mehr als 600 Stellen. Die erste Tranche dieser Stellenausweitung  ist zusätzlich.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann kündigte aber an, dass zukünftig aber auch vorhandene Deputate umgewidmet werden könnten.

Andreas Böhme

Kommentar

Aufwertung der Realschulen: Chance fürs Schulsystem

Beschwörend wehrt sich die Landesregierung: bloß keine neue Strukturdebatte. Und provoziert mit der Aufwertung der Realschulen doch nichts anderes. Fünf Jahre lang galt das Zwei-Säulen-Modell als Heilsbringer grün-roter Schulpolitik, jetzt wendet sich Grün-Schwarz ohne große Worte ab. Ist das schlimm? Nein, denn wirklich existiert hat dieses Modell ohnehin nur in den Köpfen der Bildungspolitiker. Neben dem Gymnasium gab es immer schon eine Vielzahl weiterer Säulen, als tragfähigste davon erwies sich die Realschule. Jedes fünfte Kind absolviert diesen höchst erfolgreichen Schultyp.

Bleibt die Vielfalt, die viele durch die aufkommende Gemeinschaftsschule bedroht sahen, erhalten? Zumindest auf Sicht und in den Ballungsräumen, wo es genügend Kinder gibt. Auch die Gemeinschaftsschule bot vor allem eine demografische Antwort auf die Flucht aus den ländlichen Hauptschulen. Nun nimmt die Vielfalt sogar noch zu, wenn die Realschulen künftig Kinder auf Hauptschulniveau zum Hauptschulabschluss führen. Verwirrend? Ja, aber diese Vielfalt stärkt auch die Chance auf ganz individuelle Schulkarrieren.

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