Gemischte Teams können Personalmangel in Kitas nicht beheben

Hebammen und Dorfhelferinnen können seit 2013 in baden-württembergischen Kitas eingesetzt werden. Eine Studie zu der Gesetzesänderung kommt nun zu recht zwiespältigen Ergebnissen.

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Blick in eine Kita in Ulm: Die gemischten Teams werden nicht einhellig als positiv gesehen.  Foto: 

Eine Gesetzesänderung vor drei Jahren hat die Personalknappheit in den baden-württembergischen Kitas allenfalls mildern, aber das Problem nicht lösen können. Allein für die Integration von rund 13.000 Flüchtlingskindern unter sechs Jahren seien etwa 3000 bis 4000 zusätzliche Kräfte nötig, sagte Kultusstaatssekretärin Marion von Wartenberg (SPD). Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und der Gemeindetag halten die Personalsituation in den Kitas nach wie vor für schwierig.

Seit der Gesetzesänderung im Mai 2013 werden Kinder in Baden-Württemberg nicht nur von Erziehern, sondern auch von anderen Fachkräften wie zum Beispiel Sozialarbeitern, Kindheitspädagogen, Physiotherapeuten oder Logopäden betreut. Die Beschäftigten, die keinen pädagogischen Hintergrund haben, müssen dazu eine mindestens 25-tägige Zusatzqualifikation erwerben. Der Hintergrund der Gesetzesnovelle war der vom 1. August 2013 an geltende Rechtsanspruch von Eltern auf eine Betreuung von Kindern, die jünger als drei Jahre sind - und die Tatsache, dass es viel zu wenig Erzieher gibt.

Laut einer gestern vorgestellten Studie funktionieren solche aus unterschiedlichen Berufsgruppen zusammengesetzten Teams, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. So seien die Einarbeitung der neuen Fachkräfte und gute Konzepte zur Personalentwicklung wichtig. Personalmangel und eine damit einhergehende Belastung führten dazu, dass solche Teams von den Kita-Mitarbeitern eher abgelehnt würden.

Ein GEW-Sprecher sagte, andere Berufsgruppen in die Betreuung der Kinder einzubeziehen, könne keine Dauerlösung sein. Es müsse mehr dafür getan werden, dass sich mehr junge Leute für den Beruf des Erziehers interessierten - dazu gehöre eine bessere Bezahlung. "Kita-Teams profitieren zum Teil von anderen Berufsgruppen", sagte der GEW-Sprecher. Es gebe aber auch die Rückmeldung, dass Aufgaben an den Erziehern hängenblieben, weil andere Fachkräfte nicht dafür qualifiziert seien.

Nach Einschätzung des Gemeindetags ist der Arbeitsmarkt für die infrage kommenden Fachkräfte so gut wie leergefegt. "Wir haben eine schwierige Situation", sagte eine Sprecherin. Die Lage werde sich noch verschärfen.

2013 schätzte die Landesregierung, dass etwa 8000 bis 10.000 Fachkräfte in den baden-württembergischen Kitas fehlten. Die Mehrheit davon habe eingestellt werden können. Vor allem in den Ballungszentren sei die Personalsituation aber weiterhin angespannt. Das Kultusministerium geht davon aus, dass derzeit etwa ein Drittel der rund 8500 Kitas im Land in berufsübergreifenden Teams arbeitet.

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