Gemeindetag: Mehr Rechte und Geld für Schulleiter

Es gibt kaum Bereiche, in denen sich die Beschäftigten so wenig um Führungspositionen reißen, wie Schulen. Damit sich das ändert, fordert der Gemeindetag einen Zuschlag von 1000 Euro für Schulleiter.

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Nur mit guten Rektoren sind Reformen möglich, sagt Gemeindetags-Chef Roger Kehle. Foto: dpa

Der Umbruch in der baden-württembergischen Bildungslandschaft erfordert nach Ansicht des Gemeindetags qualifizierte und engagierte Schulleiter. "Derzeit meldet sich aber für eine freiwerdende Rektorenstellen ein oder kein Bewerber", klagt Gemeindetagpräsident Roger Kehle. Einige Schulen begnügten sich jahrelang mit einem führungslosen "Interregnum", sagte Kehle in Stuttgart.

Die mangelnde Auswahl habe zur Folge, dass für die 3000 potenziell betroffenen Leitungsstellen nicht immer die Idealbesetzung gefunden werde. Deshalb müssten Schulleiter mehr Rechte erhalten - und deutlich mehr Geld. Kehle: "Wir brauchen einen Ruck." Zustimmung erhielt er von der FDP und der Lehrergewerkschaft GEW. Eine erweiterte Budget- und Personalhoheit wäre ein Schritt in die richtige Richtung, sagte FDP-Generalsekretärin Gabriele Heise. Denn gute Schulen zeichneten sich vor allem durch motiviertes Personal aus. "Darauf hat die grün-rote Landesregierung bislang viel zu wenig Augenmerk gelegt und stattdessen ideologiegetriebene Strukturdiskussionen geführt." Das Kultusministerium lehnt Millionen-Mehrkosten für die Aufwertung der Leitungsstellen ab.

Kehle sagte mit Blick auf grün-rote Reformvorhaben wie Gemeinschaftsschule, Ausbau der Ganztagsschule und Inklusion: "Nur mit sehr guten Schulleitern sind diese neuen Aufgaben zu bewältigen." Die Anforderungen an Schulleiter glichen denen an Führungspersonal in der Wirtschaft. "Der Schulleiter ist als Bildungsmanager für Mitarbeiterführung, Qualitätssicherung, Budget sowie Einführung von Neuerungen verantwortlich." Für ein paar Hundert Euro mehr im Monat tue sich keiner den Stress an, ist der Kommunalvertreter überzeugt. Alle Schulleiter sollten monatlich 1000 Euro mehr als das übliche Gehalt bekommen. "Damit hätten wir eine völlig andere Bewerbersituation."

Für die Schulleiter an Gymnasien, die bereits so viel zusätzlich erhalten, müssten Sonderregelungen gefunden werden. Bei Grund- und Realschulrektoren liegen die Zulagen zwischen 150 und 400 Euro im Monat. GEW-Landeschefin Doro Moritz monierte: "Es ist ein Skandal, dass zum Beispiel die Rektorin einer Grund- und Hauptschule mit 15 Klassen nur 183 Euro brutto mehr als die anderen Lehrkräfte im Monat bekommt und jeden Tag auch noch drei bis vier Stunden Unterricht halten muss." Nach den Berechnungen des Kultusministeriums würde die von Kehle angeregte Aufwertung jährliche Mehrkosten von rund 25 Millionen Euro auslösen. "Die Finanzsituation des Landes lässt eine solche Steigerung nicht zu", sagte ein Sprecher von Minister Andreas Stoch (SPD). Zudem sei die Bewerbersituation nicht so schlecht wie von Kehle geschildert und weise große Unterschiede auf.

Die Arbeit des Schulleiters muss nach Kehles Überzeugung auch durch mehr Zuständigkeiten und Gestaltungsmöglichkeiten attraktiver werden. Der Rektor müsse einen unfähigen Lehrer auch versetzen dürfen. Zudem müsse er mehr Budgetverantwortung erhalten. Überdies müssten die Stellen auf fünf Jahre befristet werden. "Wer die Aufgaben nicht bewältigt, soll so ohne Ansehensverlust wieder ins Glied zurücktreten können."

Bei der Bestellung der Rektoren sollen nach dem Willen Kehles die Gemeinden künftig mehr Mitbestimmungsrechte erhalten. Bislang wählt das staatliche Schulamt den Schulleiter aus. "Künftig soll gegen den Gemeinderat kein Schulleiter mehr bestimmt werden können." Das Kultusministerium wird nach eigenen Angaben dazu ein neues Verfahren ausarbeiten.

Die GEW fordert mehr Leitungszeit für Rektoren. "Schulleitung ist ein anderer Beruf, dafür brauchen Lehrer Vorbereitung und professionelle Begleitung. Die Landesregierung hat auch dafür Mittel gekürzt", klagte Moritz. Zudem müssten die Sekretariate aufgestockt werden um Schulleiter zu entlasten.

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