Gekränkte Ehre - 41-Jähriger wegen Mordes an Ehefrau verurteilt

Lebenslang muss ein 41-Jähriger in Haft. Er hatte seine Frau erstochen – am Tag vor der Hochzeit des Sohnes. Die Fassade der Familie sollte nicht bröckeln.

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Er sah seine Ehre verletzt, da stach er zu: Wegen Mordes an seiner Ehefrau ist ein 41-Jähriger gestern in Heilbronn zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Laut Gericht rammte er der getrennt von ihm lebenden 39-Jährigen in der Nacht zum 2. Oktober 2015 ein Messer mehr als zehn Mal in Brust und Rücken, schnitt ihre Kehle durch und floh. Die Frau hatte die Scheidung eingereicht, am Tag nach der Tat wollte eines ihrer vier Kinder heiraten. Der Mann habe befürchtet, dass seiner ganzen Familie dort klar werde, dass er als Oberhaupt seine Frau und seine Familie nicht mehr im Griff habe, erklärte der Vorsitzende Richter Roland Kleinschroth.

Die „brutale und verabscheuenswürdige Tat“ war das Ende einer fast 25-jährigen Ehe, durchsetzt mit Gewaltausbrüchen des Familienoberhaupts, wie Kleinschroth berichtete. Nicht nur gegen seine Frau, auch gegen seine Kinder und andere sei der 41-Jährige äußerst gewalttätig gewesen. Mehrfach musste die Polizei eingreifen. „Die Ehe war von Gewalt geprägt“, sagte Kleinschroth.

Obwohl der ungelernte Hilfsarbeiter und Kraftfahrer nach einem Gewaltausbruch mit einem Annäherungsverbot belegt war, lauerte er seiner Ehefrau mitten in der Nacht auf. Erst habe er sie wohl mit dem Kopftuch erwürgen wollen, hieß es, stach dann aber mit einem Messer auf seine Frau ein. Die Verwundete versprühte noch Pfefferspray und versuchte, zurück zu ihrer Wohnung zu fliehen, doch er setzte nach und schnitt ihr die Kehle durch. „Sowas macht man nicht aus Verzweiflung“, sagte Kleinschroth mit Blick auf die Aussage des 41-Jährigen, er habe einfach nicht weitergewusst. Die Ehe sollte bei der Hochzeit des Sohnes gut dastehen, durch die Scheidung jedoch drohte das Ansehen in der Großfamilie verloren zu gehen, erläuterte Kleinschroth. Einen älteren Scheidungsantrag hatte sie zurückgenommen, so wie Familienmitglieder wie auch die Ehefrau Anzeigen nach Gewaltausbrüchen wohl auf Druck und aus Rücksicht auf die Familie zurückzogen.

Der Mann war nach der Tat geflohen, wurde aber an der ungarisch-rumänischen Grenze gefasst. Für das Gericht ging ein turbulenter Prozess zu Ende. An diversen Verhandlungstagen zofften sich auf den Gängen und vor dem Gericht Mitglieder der Familien. Auch nach dem Urteil gab es gegenseitige Beschimpfungen.

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