Garantie für Pädagogische Hochschulen

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Über drei Stunden hat das Kabinett am Montagabend mit externen Bildungsexperten über die Folgerungen aus dem Absturz des Landes bei der IQB-Schulstudie beraten. Die Diskussion, berichtet Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) anderntags, sei „sehr lebendig“ gewesen. Erwartungen an konkrete Ergebnisse dämpft er indes mit dem Hinweis, dass es sich um ein informelles Treffen gehandelt habe.

In einem Punkt aber legt sich der Regierungschef fest: Die Schließung der Pädagogischen Hochschulen in Karlsruhe, Schwäbisch Gmünd und Weingarten stehe „nicht zur Debatte“. Es gehe um eine Verbesserung der Qualität bei der Lehrerausbildung. Damit dürfte Kretschmann für Ruhe an den Standorten sorgen, nachdem bekannt geworden war, dass Experten bei einer Anhörung in der CDU-Fraktion empfohlen hatten, einzelne Pädagogische Hochschulen „auf den Prüfstand“ zu stellen.

Bis Sommer will die Landesregierung nun erste Konsequenzen aus der Studie für den Schulsektor  formulieren, um diese im Doppeletat 2017/18 verankern zu können. Das Kultusministerium veranstaltet am 18. Februar einen bildungspolitischen Kongress, bei dem eine der Leiterinnen der IQB-Studie die Ergebnisse im Detail vorstellen wird. Bei dem Kongress sollen sich auch Verbände aus dem Schulsektor mit Vorschlägen einbringen. Für März ist zudem ein Gipfel zu den Ganztagsschulen avisiert, bei einem weiteren Kongress soll die Umsetzung der Inklusion analysiert werden. Parallel dazu nimmt der Rechnungshof den Schulsektor und insbesondere den Einsatz der Lehrerstellen unter die Lupe; erste Ergebnisse der Prüfung werden für Mai erwartet.

Die Ursachen für die Misere gelten als vielfältig, die Lösungsansätze ebenfalls. „Klar ist: Wir haben Handlungsbedarf. Denn wir haben ein Qualitätsproblem an unseren Schulen“, konstatiert ein Teilnehmer der Kabinettsrunde vom Montag.

Schonungslose Experten

Die Ursachenanalyse der von der Regierung zu Rate gezogenen Experten fällt offenbar schonungslos aus. Die Fachleute bemängeln laut dem Ergebnisprotokoll eines von der CDU-Fraktion vorab geführten Experten-Dialogs das Fehlen von Hinweisen für die Arbeit der Lehrkräfte im 2004 von Schwarz-Gelb umgesetzten Bildungsplan, vermissen aber auch „Tiefenstruktur“ beim Konzept der von Grün-Rot eingeführten Gemeinschaftsschule.  Die Lehrerausbildung bekommt genauso ihr Fett ab wie die Schulverwaltung, die nicht aus einem Guss handle. Insgesamt, so der am Montagabend wiederholte Expertenbefund, sei der relative Abstieg des Landes ein ab 2000 einsetzender, schleichender Prozess.

Die Handlungsempfehlungen reichen vom Wunsch nach klaren Vorgaben im Schulsystem über eine deutliche  Senkung des fachfremden Unterrichts bis hin zur Verbesserung der Lehrerausbildung. Die Umsetzung der zahlreichen Vorschläge wird indes dadurch erschwert, dass die durch viele ausgelöste „Unruhe“ im Bildungswesen als Teil des Gesamtproblems gilt.

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