Gärsubstrat-Leck in Engstingen-Haid: Versicherung zahlt nicht

1,5 Millionen Liter Gärsubstrat liefen im Januar in Engstingen-Haid aus und richteten großen Schaden an. Nun weigert sich die Versicherung zu zahlen.

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Massenweise stinkendes Gärsubstrat lief im Januar im Gewerbegebiet Engstingen aus und flutete mehrere Häuser.  Foto: 

Vier Monate ist es her, dass im Gewerbegebiet Engstingen-Haid (Kreis Reutlingen) aus einer Biogasanlage 1,5 Millionen Liter Gärsubstrat ausliefen. Mehrere Häuser wurden geflutet. Bis heute sind nicht alle Schäden behoben. „Der Schmodder klebt immer noch an den Wänden“, sagt Anja Wolfframm. Ihr Hotel und Gasthaus hat der Unfall in der Nacht auf den 12. Januar besonders heftig getroffen. Fast zwei Meter hoch stand die stinkende Brühe in der Gaststube.

Seit Monaten kämpft sie da­rum, den Betrieb nach der Katastrophe wieder in Schwung zu bringen. Nun teilte die Sparkassen-Versicherung mit, sie werde für den Schaden nicht aufkommen. Sie verwies auf die Betreiber der Biogas­anlage, die Biga Energie GmbH.

„Ich hoffe, dass es zur schnellen Schadenregulierung kommt“, sagte am Donnerstag Mario Storz, Bürgermeister von Engstingen und Vorsitzender des Zweckverbands Haid. Das liege jetzt bei der Firma Biga. Die Betreiber der Biogasanlage meldeten sich nach langem Schweigen nun in einer schriftlichen Stellungsnahme zu Wort. Darin heißt es: „Die Entscheidung der SV Versicherung, mit der entsprechenden Benachrichtigung an die Geschädigten, hat in unserem Unternehmen für absolutes Unverständnis gesorgt. Wir werden diese Entscheidung nicht akzeptieren und, wenn nötig, Rechtsmittel dagegen einlegen.“ Weiter schreiben die Betreiber: „Unser Bestreben ist es, dass niemand auf seine berechtigten Ansprüche verzichten muss.“

Während Bürgermeister Storz das als positives Signal wertet, fürchten manche Betroffene nun einen jahrelangen Rechtsstreit. Die Biga will zudem ein Treffen mit den Geschädigten und dem Bürgermeister als Gewerbepark-Betreiber anberaumen.

Das Landratsamt Reutlingen hatte die Biogasanlage nach dem Unfall stilllegen lassen: Es habe bauliche Mängel vor allem am Gärbehälter gegeben, die Anlage sei zu der Zeit ohne Genehmigung betrieben worden. Auch Staatsanwaltschaft und Polizei untersuchen den Fall, die Ermittlungen dauern immer noch an.

Wie es weiter geht und wer die Kosten für die Schäden übernimmt, ist seit Monaten unklar. Die Betroffenen fühlen sich allein gelassen und kritisieren vor allem die fehlende Kommunikation von Seiten der Biogas-Betreiber. „So etwas wie Krisenmanagement gab es von Seiten der Biga nicht“, sagt Ralf Stoll. Der Geschäftsmann hatte einen Lagerraum im Gewerbegebiet gemietet. Sämtliche Waren, die er dort gelagert hatte, musste er über eine Spezialfirma entsorgen lassen. Kosten insgesamt: 25 000 Euro. Die Summe sei relativ schnell mit dem Gutachter zu klären gewesen, weil es sich ausschließlich um Neuware gehandelt habe. Auch eine Rechnung hat Stoll schon längst gestellt. Nun hat er ein Mahnverfahren eingeleitet. Deutlich größer ist der Schaden im Hotel von Anja Wolfframm. Vier Wochen lang war das Hotel geschlossen, den Großteil der Reinigung habe sie aus eigener Tasche bezahlt. Auch das Restaurant ist wieder geöffnet. Doch der urige Gastraum bleibt wegen der Schäden vorerst geschlossen.

100 Einsatzkräfte der Feuerwehr aus Engstingen und Nachbarorten rückten im Januar 2017 an, um das Gärsub­strat wieder zu entfernen. Auch Gemeindearbeiter und Landwirte halfen.

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