Friedrich-Bödecker-Kreis in der Bredouille

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„Wir sehen nicht, wie es weitergehen soll“, klagt Ulrike Wörner, Geschäftsführerin des Friedrich-Bödecker-Kreis im Südwesten (FBK). Der FBK bezuschusst die meisten Autorenbegegnungen und Lesungen an Schulen im Land. Zudem finanziert er den Frederick-Tag, ein landesweites Lese-Fest.

Das Kultusministerium hat dem FBK 2017 die Finanzmittel stark gekürzt. „Wir wollten zuerst keinen Wirbel machen“, sagt Wörner. Doch nach mehreren Gesprächen mit dem Ministerium ohne Ergebnis machte der FBK den Zwist jüngst öffentlich. Der Verein ist in der Bredouille: Seit Ende Oktober kann er keine Anträge für die Bezuschussung von Lesungen mehr genehmigen, weil ihm das Geld ausgegangen ist. Da noch nicht klar ist, wie viel Geld er 2018 bekommt, stockt auch die Planung fürs nächste Jahr.

Schlag für Leseförderung

Dieses Jahr bekam der FBK vom Ministerium 113 000 Euro. Im Vergleich zum Vorjahr fehlen ihm 19 600 Euro. Das sei ein „Miniaturbetrag“ im Landeshaushalt, aber „für uns ist es ein beachtlicher Betrag, der sich massiv auf die Leseförderung auswirkt“, sagt Ulrich Schielke, erster Vorsitzender des FBK. Statt 479 Anträge für Lesungen im Jahr 2016 konnte der FBK 2017 nur 331 Anträge genehmigen. Der Verein geht von rund 9000 Schülern aus, die dadurch nicht in den Genuss einer Lesung kommen. Das sei sehr „kontraproduktiv“ für die Leseförderung, denn gerade „wenn Kinder mit dem Schriftsteller Auge in Auge zusammentreffen, kommen sie verstärkt zum Lesen“, erklärt Schielke. Bei der IQB-Vergleichsstudie schnitten die Grundschüler im Lesen jüngst unter Mittelmaß ab. Die Kürzungen stießen „auf komplettes Unverständnis von allen Seiten“, so Wörner.

Christine Sattler, Pressesprecherin im Kultusministeriums, nennt die Kürzungen einen „bedauerlichen Umstand“. Wegen der Schuldenbremse 2020 müsse man sparen – und das sei nicht einfach. 90 Prozent der Kosten entfielen aufs Personal, zudem gebe es gesetzliche Verpflichtungen. Für Kürzungen bleibe daher nur ein „kleiner Spielraum“.

Für die kommenden Jahre ist Wörner verhalten optimistisch: „Ich kann nicht glauben, dass Baden-Württemberg es nicht schafft, dieses Geld bereitzustellen.“ Niedersachsen zeigt, dass es geht. Der Friedrich-Bödecker-Kreis erhält dort nächstes Jahr 16 500 Euro mehr. Doch die Zeichen im Südwesten stehen nicht gut. Im Haushaltsplan für 2018/2019 wurde zwar eine leichte Erhöhung der gesamten Leseförderung eingebracht. Laut Sattler kann der FBK als Hauptempfänger der Finanzmittel voraussichtlich nur mit einer „geringfügigen Erhöhung zwischen 1 000 und 2 000 Euro“ rechnen.

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