Freiburger Mordprozess: Jugendamtsmitarbeiter sagen aus

|
Blumen und Trauerschmuck hängen in Freiburg an einem Baum an der Dreisam. Foto: P. Seeger/Archiv  Foto: 

Im Mordprozess gegen den Flüchtling Hussein K. vor dem Landgericht Freiburg werden zwei Mitarbeiter des Jugendamtes als Zeugen gehört. Zudem soll beim nunmehr fünften Prozesstag an diesem Dienstag die Pflegemutter des Angeklagten aussagen. Der Pflegevater wird nach Angaben des Gerichts am 17. Oktober erscheinen. Die Pflegeeltern waren bereits am vergangenen Donnerstag als Zeugen geladen. Ihre Aussagen wurden aber verschoben, weil sich der Prozess aufgrund einer langen, anderen Zeugenaussage verzögerte.

Dem Angeklagten wird Mord und besonders schwere Vergewaltigung vorgeworfen. Er hat zugegeben, im vergangenen Oktober eine 19 Jahre alte Studentin überfallen, gewürgt, vergewaltigt und in den Fluss Dreisam gelegt zu haben. Dort ertrank sie. Der Fall löste bundesweite Debatten über die deutsche Flüchtlingspolitik und ein mögliches Versagen der Behörden aus.

Hussein K. war im November 2015 ohne Papiere nach Deutschland gekommen und hatte angegeben, 17 Jahre alt zu sein und aus Afghanistan zu kommen. Seine Altersangabe war eine Lüge, wie er beim Prozessauftakt Anfang September zugab. Als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling stand er in der Obhut des Jugendamtes und lebte in Freiburg bei einer Pflegefamilie. Das für ihn zuständige Jugendamt sowie die Pflegefamilie haben sich öffentlich bislang nicht geäußert. Nach Bekanntwerden des Falls war Kritik an ihnen laut geworden, im Raum steht der Vorwurf der mangelnden Aufsicht.

Die Staatsanwaltschaft hält Hussein K. für mindestens 22 Jahre alt. Zwei Gutachten sollen dies im Laufe des Prozesses untermauern. Sie werden dem Plan zufolge im November erörtert. Davon ist laut Gericht abhängig, ob für Hussein K. Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht gilt. Dies kann große Folgen für das Strafmaß haben, das ihn erwartet. Ein Urteil soll den Angaben zufolge im Dezember gesprochen werden.

Wegen einer Gewalttat an einer jungen Frau 2013 war Hussein K. in Griechenland zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt, im Oktober 2015 aber vorzeitig gegen Auflagen entlassen worden. Wenig später tauchte er unter und in Deutschland wieder auf. Von seiner kriminellen Vorgeschichte wussten die deutschen Behörden nichts, weil sie von Griechenland nicht informiert wurden. Zudem besteht der Verdacht, dass Hussein K. zuvor im Iran eine Zwölfjährige vergewaltigt hat.

Pressemitteilungen des Landgerichts zu dem Prozess

Abschlussbericht der Polizei vom 31.1.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Amok-Anlage in List-Schule vor dem Austausch

Die Stadt Ulm reagiert auf ständige Fehlalarme in der List-Schule: Falls die elektronische Steuerung nicht sauber repariert werden kann, kommt ein neues System. weiter lesen