Forschen mit dem Smartphone

Bürger können nun per Tablet und Smartphone die Kommission zur Erforschung der Landesministerien in der NS-Zeit unterstützen. Das Projekt - das erste dieser Art bundesweit - soll auch Schüler ansprechen.

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Das Mitmach-Internet ist Alltag - anders als die Mitmach-Wissenschaft. "Public-History" will das ändern, gerade per Web 2.0. So bietet das Forschungsprojekt "Geschichte der Landesministerien in Baden und Württemberg zur Zeit des Nationalsozialismus" seit diesem Monat eine App für Smartphones und Tablets an - nicht nur, um unterwegs mal die Neuigkeiten zum Projekt, den Blog oder die Interaktive Karte zu checken. Sondern auch, um mitzuwirken: Per Handyfoto kann jedermann Dokumente den Forschern direkt zuschicken.

"Das scheint mir der einfachste Weg zu sein", sagt Cord Arendes. Der Historiker führt den Heidelberger Lehrstuhl für Angewandte Geschichtswissenschaft. Er und sein Team haben mit einer Mannheimer Firma die App entwickelt, um an Archivalien zu kommen, die sonst unerreichbar wären. Hinweise würden vertraulich behandelt. Zudem müsse sich niemand etwa von Unterlagen von Familienangehörigen oder deren Tagebüchern trennen. "Der Kontakt wird auf jeden Fall hergestellt", sagt Arendes - auch, um die Authentizität der Quelle und deren Geschichte zu erfassen.

Die App ist ein Testballon, die Mitmach-Dimension sei in der deutschen Geschichtsforschung bislang einmalig, so Arendes. Keine technische Spielerei: Die App fülle eine zentrale Stelle aus. In dem von der Landesregierung initiierten Projekt, das die NS-Historie der Ministerien Badens, Württembergs und des Elsass' beleuchtet, soll jedermann die Forschung unterstützen, spiegeln, kritisch begleiten.

"Es gibt schon Rückmeldungen", sagt Arendes. Seit Jahresbeginn ist die Homepage des Projekts online. So hätten sich beispielsweise schon Nachkommen des Badischen Kultusministers Otto Wacker gemeldet. Nun hoffen die Forscher auf junge Mitstreiter: Im Herbst oder Frühjahr soll es Projekte mit Schulen geben. "Ich hoffe, dass die App dann nochmals einen Zusatznutzen bringt." Nach Projektende 2017, so Arendes, könnte die Technik neuen Vorhaben dienen: "Die App basiert auf einer Art Baukastenprinzip - theoretisch wäre das also Möglich."

Info: Die App ist unter "NS-Ministerien in BW" in Stores für iOS und Android zu finden.

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