Flugschule auf den Fildern lässt Fans an ihrem Simulator üben

Ein Elfjähriger im Cockpit eines Riesenjets: Das ist möglich im Simulatorzentrum der Flugschule Aero-Beta in Filderstadt-Sielmingen. Ganz gewöhnliche Leute können hier eine Boeing 777 steuern.

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Das Pilotenhemd gehört dazu: Der elfjährige Tim Hittinger im Simulator der Boeing 777 in Plieningen. Zum Erstaunen der Fluglehrer kennt er sich mit dem Instrumentarium bestens aus.  Foto: 

Schnurstracks steuert Tim Hittinger auf den linken Pilotensitz zu, dahin, wo der Chefpilot seinen Platz hat. Der Knirps im weißen Hemd mit Schulterklappen und blauer Krawatte rückt routiniert den Sitz zurecht und fängt wie selbstverständlich an, das Instrumentarium um ihn herum und über ihm zu bedienen. "Wohin willst Du heute fliegen", fragt ihn Yannick Bauer, der Co-Pilot. "Von Stuttgart nach Karlsruhe", antwortet der elfjährige Tim. Von diesem Zeitpunkt an unterhalten sich die beiden in einem Kauderwelsch, einem standardisierten Sprech auf Englisch, der zwischen den Piloten keine Missverständnisse aufkommen lässt.

Tim, der Realschüler aus Gomaringen im Kreis Tübingen, lenkt die Boeing 777 von der Vorfeld-Position auf die Startbahn in Stuttgart-Echterdingen. Rechts vorn ist der Tower erkennbar, dahinter erheben sich Berge. Das muss die Alb sein. Da liegt ja Schnee drauf! Jetzt im Mai? Tatsächlich sitzt Tim nicht in einem echten Flieger, sondern in einem Profi-Simulator.

Zwei Beamer projizieren die Landschaft auf eine gebogene Leinwand. Was der Pilot sieht, ist Illusion, doch eine sehr wirklichkeitsnahe. Das wird spürbar, als Tim den Flieger beschleunigt. Vibrationen erschüttern das Cockpit, die Landschaft rast an den Fenstern vorbei. Das eingespielte Funkspruch-Gewirr wirkt täuschend echt. Tim bewegt den Steuerknüppel und steigt auf 10 000 Fuß. Schon bald sieht er den Rhein glitzern.

Ein Elfjähriger im Cockpit eines Riesenjets: Möglich ist das im Simulatorzentrum der Flugschule AeroBeta in Filderstadt-Sielmingen. Das originalgroße Cockpit der Triple Seven, wie die Boeing 777 in Fachkreisen genannt wird, steht nicht nur Flugschülern offen. "Da kann jeder Fußgänger kommen", sagt Fluglehrer Dirk Fortenbacher. Es erscheinen Freaks, die in ihrem Hobbykeller kleinere Flug-Simulatoren stehen haben und endlich mal ein Profi-Gerät bedienen wollen. Die Fluglehrer bitten aber auch Leute mit Flugangst ans Steuer. Fortenbacher: "Wir lassen sie fliegen und schalten dann ein Triebwerk aus. Da erfahren sie, dass solch ein riesiges Verkehrsflugzeug selbst dann noch völlig sicher fliegt."

Der 777-Simulator steht auch für Fälle bereit, die man heute Events nennt. Manche Gäste feiern dort Geburtstag, andere Hochzeit und das Brautpaar setzt sich ins Cockpit und steuert schon mal den Zielflughafen des Landes an, das es für seine Hochzeitsreise ausgesucht hat.

Freilich, wer wenig Routine besitzt, erlebt sein Waterloo im Cockpit. Vor allem die Landungen haben es in sich. Es ist schwer, mit der Maschine die Piste genau zu treffen. Wer schlecht navigiert, gerät ins Abseits. Hat sich der Pilot vertan, gehen urplötzlich alle Lichter aus und es wird still: Absturz.

Das kann Tim nicht passieren. Schon bei seinem ersten Versuch vorigen November startete und landete er die 777 ohne Probleme. Die Fluglehrer staunten. "Das ist ein Ausnahmetalent", sagt Fortenbacher. Tim kennt die Systeme des Simulators und er kennt die Fachbegriffe. Alles gelernt am heimischen Simulator. Seine Motorik trainiert er beim Steuern von Modellfliegern. "Er hat ein Gespür dafür", sagt Vater Andreas Hittinger. Er hofft, dass der Traum seines Sohnes wahr wird.

Denn Tim will Verkehrspilot werden, ganz klar. "Aber ich will nicht Langstrecke fliegen, sondern Kurzstrecke", sagt er. Warum? "Weil man da öfter starten und landen kann." Die Zeit zwischen Start und Landung kommt dem Schüler häufig zu langweilig vor. Ein Knopfdruck von Simulator-Betreuer Yannick Bauer, und die 777 fliegt bei Dunkelheit oder bei Nebel. Die Landschaft verschwindet. "Ich stelle mir das scheußlich vor, so in echt", kommentiert Tim. Doch die Schikanen bereiten ihm keine feuchten Hände. Der Nebel weckt bei ihm die Frage an den Fluglehrer: "Wo kann ich bei den Passagieren wärmer und kälter machen?"

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