Flüchtlingskrise: Besuch im Lagezentrum der Bundeswehr Stuttgart

Wie viele Hilfsorganisationen ist auch die Bundeswehr in der Flüchtlingskrise voll im Einsatz. Im Lagezentrum in der ehemaligen Funker-Kaserne in Stuttgart herrscht Zuversicht, die Probleme lösen zu können.

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Wer im Lagezentrum der Bundeswehr den Ausspruch von Bundeskanzlerin Angela Merkel zur Flüchtlingskrise - "Wir schaffen das" - in eine Frage umformuliert, bekommt militärisch knappe Antworten, die aber einen Tenor haben: "Ja", "Ja, natürlich" und "Na klar". Rund um die Uhr gehen beim Landeskommando in der ehemaligen Stuttgarter Funker-Kaserne Unterstützungsgesuche aus dem ganzen Südwesten ein und werden binnen Stunden bewältigt.

Die Hilfe erstreckt sich vom Stellen von Personal zum Ausladen von Lastern über den Aufbau von Duschzelten bis hin zur Einrichtung ganzer Unterkünfte. Für Oberst Christian Walkling eine Selbstverständlichkeit. Bis zu 200 Soldaten sind täglich im Einsatz, im Wesentlichen stammen sie aus der Deutsch-Französischen Brigade. Walkling kennt sich aus mit nicht-militärischen Operationen: Schon bei der ICE-Katastrophe 1998 in Eschede war er dabei. Die Bilder der vielen Toten hat er nicht vergessen. Jetzt kümmert er sich um die Lebenden: Als Chef des Landeskommandos befehligt er mehr als 14 000 Soldaten und, zunehmend, ein Kontingent von 1000 vertraglich gebundenen Reservisten. Die kehren immer wieder freiwillig zur Bundeswehr zurück - pensionierte Soldaten ebenso wie Menschen mitten aus dem Berufsleben.

Thomas Diehl etwa, Professor an der Pädagogischen Hochschule in Freiburg. Sonst doziert er vor angehenden Lehrern, nun schreibt er Einsatzpläne, über die Kommandant Walkling hernach entscheidet. Oder Heinz Dieter Miess, selbstständiger IT-Experte im Rang eines Oberstleutnants. Er bearbeitet die knapp zwei Dutzend täglichen Hilfsersuche.

Alle Reservisten sind freiwillig dabei, "die sind Willens und in der Lage", lobt Walkling. Auch finanziell stehe es gut: Fehlt Gerät, wird zugekauft, fehlt ein Auto, wird es gemietet. Bleibt es bei diesen Ressourcen, "lässt sich dieser Einsatz über Monate hinweg bis weit hinein ins Jahr 2016 halten", sagt Walking. Und auch wenn dafür Veranstaltungen, Übungen und Ausbildungen gestrichen werden und es schwieriger wird, den Einsatz mit Freizeit auszugleichen, ist er zuversichtlich: "Natürlich ist noch Luft nach oben."

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