Flüchtlinge sollen Engpässe in Pflege mindern

|
Flüchtling auf Krankenstation: „Wenn wir nur jeden zehnten für einen Pflegeberuf begeistern können, ist viel gewonnen“, sagt Sozialminister Manne Lucha.  Foto: 

Baden-Württemberg setzt sich bei der Integrationsministerkonferenz, die am Donnerstag und Freitag in Friedrichshafen stattfindet, für eine Erweiterung des Abschiebeschutzes für Asylbewerber in Ausbildung ein. „Aus der Wirtschaft und von sozialen Trägern bekomme ich beinahe täglich die Botschaft: Es gibt freie Stellen, wir wollen gerne Geflüchtete ausbilden – aber wir brauchen eine sichere Rechtslage und klare Perspektiven, damit die Menschen ihre Ausbildung nicht mittendrin abbrechen und Deutschland verlassen müssen“, sagte Sozial- und Integrationsminister Manne Lucha (Grüne). Der Bund müsse daher die Rahmenbedingungen „weiter verbessern und entbürokratisieren“.

Konkret sieht ein Antrag aus Stuttgart vor, dass Auszubildende in Helferberufen mit Arbeitskräftemangel wie der Altenpflege während der einjährigen Ausbildung und einer anschließenden Tätigkeit im erlernten Beruf nicht abgeschoben werden. Bisher gilt diese Regelung erst ab zweijährigen Ausbildungsberufen – in diesen Fällen dürfen Geflüchtete mit Duldung noch drei Jahre arbeiten, damit sich die Ausbildung auch für die Arbeitgeber rechne.

Wie lange die Absolventen einer Ausbildung künftig sicher in ihrem Beruf arbeiten dürfen, soll bei der Konferenz festgelegt werden. Bei Übereinstimmung mit den Kollegen werde entschieden, wie man das Thema weiter vorantreibe, etwa in Form einer Bundesratsinitiative. Lucha zeigte sich zuversichtlich: „Das machen alle mit.“

Der Minister sagte, in Baden-Württemberg gebe es insgesamt 45.000 arbeitssuchende Flüchtlinge; 15.600 seien arbeitslos gemeldet; davon seien wiederum 60 Prozent jünger als 35 Jahre. „Wenn wir davon nur jeden Zehnten für einen Pflegeberuf begeistern können, ist schon viel gewonnen.“

Auf der Tagesordnung der Konferenz steht auch die von Stuttgart unterstützte  Forderung, dass der Bund mehr Integrations- und Sprachkurse für Flüchtlinge anbieten und diese zugleich weiter öffnen soll. „Wir begrüßen die Öffnung der Kurse für Geflüchtete mit guter Bleibeperspektive. Allerdings sollten auch  Gruppen Zugang zu den Kursen erhalten, deren Bleibeperspektive unklar ist“, sagte Minister Lucha. Denn auch sie würden teilweise länger in Deutschland bleiben. Für sie sollte ein sprachliches Grundangebot geschaffen werden. Die Integrationskurse waren zuletzt für Asylbewerber aus Syrien, Iran, Irak, Eritrea und Somalia geöffnet worden.

Länder-Mehrheit steht

Ein Vorstoß von Rheinland-Pfalz für ein Einwanderungsgesetz auf Bundesebene steht ebenfalls auf der Agenda. Dafür zeichnet sich eine große Mehrheit der Länder inklusive Baden-Württemberg ab. Es gelte, die Rahmenbedingungen attraktiver zu gestalten, damit gut ausgebildete Menschen nach Deutschland einwanderten, so die Befürworter. Hierzu bedürfe es eines transparenten Einwanderungsgesetzes. Die schwarz-rote Bundesregierung müsse diese Impulse aufgreifen. Bayern will sich diese Forderungen indes nicht zu eigen machen, zwei Länder wollen sich dem Vernehmen nach enthalten.

Baden-Württemberg hat erstmals zum 1. Oktober 2016 für ein Jahr den Vorsitz der Konferenz der Integrationsminister übernommen und ist daher Gastgeber des zweitägigen Treffens in dieser Woche.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung
Kommentieren

Kommentare

07.05.2017 10:55 Uhr

Also

Vorschläge dazu hat man ja schon genügend gehört, allein die Umsetzung geht wohl nicht so wie gerne gewünscht.

https://www.welt.de/wirtschaft/article162839446/Warum-kaum-ein-Asylbewerber-Arbeit-findet.html

Antworten Kommentar melden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Ulmer Weihnachtsmarkt eröffnet am Montag

Kürzer, größer, sicher: 26 Tage dreht sich ab Montag auf dem Ulmer Münsterplatz alles um Glühwein, Wurst und Co. Betonwände sollen vor Terror schützen. weiter lesen