Filderbahnhof: Nun sollen auch ICE-Züge halten können

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„Signale der Bahn sind eindeutig“: Landesverkehrsminister Winfried Hermann.  Foto: 

Die Empörung war groß, nun bläst die Bahn zum Rückzug. Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) über die Wenden im Fall des Filderbahnhofs.

Die Pläne der DB Fernverkehr,
den Fernverkehr zwischen dem
geplanten S-21-Flughafenbahnhof und der Neubaustrecke nach Ulm
erheblich abzuspecken, haben für viel Wirbel gesorgt. Wie war Ihre
erste Reaktion?

Winfried Hermann: Wir haben sofort gesagt: Das geht überhaupt nicht! Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die Bahn ihre Zusagen für die Anbindung an den Fernverkehr in Richtung Ulm schon während des Stresstests zu Stuttgart 21 deutlich zurückgenommen hatte, ohne dass die Befürworter daran groß Kritik geübt hätten. Die Bahn hat auch nie gesagt, dass sie am Flughafen mit einem ICE halten wird, sondern nur mit dem IC. Aber nur drei IC-Halte pro Tag von und nach Ulm/München, das wäre natürlich ein Schildbürgerstreich angesichts der hohen Kosten des Bahnhofs.

Sie haben inzwischen mit der
Bahnspitze gesprochen. Was ist
das Ergebnis?

Die breite Empörung hat innerhalb der Deutschen Bahn zu Diskussionen und heftigen Reaktionen geführt. Wir haben mit der Chefin der Bahn-Tochter DB Fernverkehr demnächst einen Termin anberaumt und ich habe auch bereits mit einem Vertreter des DB-Konzernvorstands telefoniert. Das klare Signal, das der Konzernvorstand nun aussendet, ist: Die Bahn steht zu den geschlossenen Verträgen samt Anhängen.

Was heißt das konkret?

Das heißt, dass am geplanten Filderbahnhof täglich pro Richtung je 16 Fernreisezüge halten sollen, die auf der Strecke Ulm-Flughafen unterwegs sind. Ausdrücklich sollen am Flughafen nun auch ICE-Züge halten können. Wir haben zudem vereinbart, dass wir die Fahrplankonzeption für den Flughafen früher als sonst üblich absprechen – auch um Kollisionen mit dem vom Land verantworteten Nahverkehr auf der Strecke zu vermeiden.

Wie verlässlich sind die Zusagen?

Die Signale der Bahn sind eindeutig, sonst würde ich damit nicht an die Öffentlichkeit gehen. Aber nach den vielen negativen Überraschungen mit diesem Projekt werde ich weiter hochaufmerksam darauf achten, dass aus den Zusagen Realität wird.

Der SPD-Abgeordnete Martin Rivoir, durch dessen Anfrage die Kürzungspläne erst öffentlich geworden sind, vermutet, dass Sie in der Sache erst zum Jagen getragen werden
mussten.

Das ist Unsinn. Aber es hat na­türlich geholfen, dass ein so glühender S-21-Befürworter diese Schwachstelle öffentlich kritisieren musste. Nicht ich musste wachgerüttelt werden, sondern die Befürworter des Projekts und die Öffentlichkeit.

Wie rechtssicher ist die Position des Landes?

Wir sind in einer starken Position. Die Bahn hat ja eine Finanzierungsvereinbarung unterzeichnet. Dazu gehört ein Anhang  mit einem Betriebskonzept, das die Details zu den Fernverbindungen festlegt.

Wird der Filderbahnhof nun eigentlich wie geplant direkt am Flughafen und an der Autobahn  gebaut?

Das war aktuell kein Thema. Aber klar ist: Die Bahn baut den Filderbahnhof wie geplant – es sei denn, es gebe Einvernehmen über eine andere Lösung. Das ist aber nicht in Sicht.

Wann wird der erste IC oder ICE aus Ulm direkt am Flughafen halten?

Das kann derzeit niemand be­antworten. Es gibt für den Flughafenbahnhof ein zweigeteiltes Planfeststellungsverfahren. Teil eins ist planfestgestellt, aber wird beklagt – mit ungewissem Ausgang. Für Teil zwei läuft erst das Erörterungsverfahren. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Flughafenbahnhof gleichzeitig mit dem neuen Stuttgarter Hauptbahnhof fertig wird, ist schon sehr gering.

Besser und schneller soll mit der Schnellbahnstrecke Ulm–Stuttgart auch der Landesflughafen in Echterdingen zu erreichen sein. So trommeln Stuttgart-21-Befürworter seit Jahren. Als nun bekannt wurde, dass die
Bahn auf nur drei IC-Halte von und nach Ulm am Airport abspecken möchte, war die Empörung groß.
Jetzt sollen täglich pro Richtung je
16 Fernreisezüge halten, die auf der Strecke Ulm-Flughafen unterwegs sind. Nicht nur IC-Züge, sondern
auch ICE-Züge sollen darunter sein,
so Landesverkehrsminister Winfried Hermann.

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