Feuerschutz im Schönbuchtunnel saniert

Zwei Jahre wurde der Schönbuchtunnel bei Herrenberg saniert. Bald soll der Verkehr auf der A 81 zwischen Stuttgart und Singen wieder rollen.

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Brandversuch im Schönbuchtunnel der A 81 bei Herrenberg: Die Feuerwehr hat alles im Griff.  Foto: 

„Achtung, Achtung. Im Tunnel besteht die Gefahr von Feuer und Rauch. Verlassen Sie ihr Fahrzeug. Verlassen Sie den Tunnel zu Fuß.“ Eine Frauenstimme hallt durch den Schönbuchtunnel. Grund zur Panik besteht wegen der Durchsage diese Nacht jedoch nicht. Gut 40 Feuerwehrleute sind schon vor Ausbruch des schwarz rauchenden Feuers da. Ihnen dient der Brandversuch im frisch sanierten Schönbuchtunnel als Übung.

Zwei Jahre hat es gedauert, die  beiden Röhren des in die Jahre gekommenen Autobahntunnels zu sanieren.  Bevor die Oströhre wieder für den  Verkehr Richtung Stuttgart freigegeben werden kann, müssen die neuen Sicherheitsanlagen unter realen Bedingungen getestet werden. Der Brandversuch ist die wichtigste Prüfung. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag simulierten Fachleute einer Spezialfirma mitten in der Röhre den Brand eines Kleinwagens.

Kurz vor Mitternacht. Ein mächtiges Brummen setzt ein, dröhnt durch die 626 Meter lange Oströhre. Schon wenige Momente später weht ein kräftiger Wind durch den Tunnel. „Die Ventilatoren sollen einen Fahrtwind von sechs Meter pro Sekunde simulieren – so, wie es auch bei vorbeifahrenden Autos wäre“, sagt Andreas Berger. Er ist beim Regierungspräsidium Stuttgart für Tunnelausstattung zuständig.

In vier Stahlwannen steht ein Benzin-Wasser-Gemisch bereit, ein Fachmann entzündet die Flüssigkeit und das Feuer entwickelt schon nach kurzer Zeit schwarzen Rauch. Ab jetzt sollte alles automatisch ablaufen: Innerhalb von 60 Sekunden muss die Brandmeldeanlage das Feuer erkennen und auf 50 Meter genau bestimmen, wo es im Tunnel brennt. Zugleich wird die Feuerwehr alarmiert, der Tunnel gesperrt, die Beleuchtung auf den Gehwegen verstärkt, die Druckerhöhungsanlage für das Löschwasser und die Entlüftung eingeschaltet.

Die Frauenstimme und die Ventilatoren dröhnen weiter durch die Röhre, während der schwarze Rauch abzieht. Nach wenigen Minuten ist das Feuer erloschen. Berger ist zufrieden. Alles hat geklappt. Die Brandmeldeanlage hat das Feuer in weniger als einer Minute erkannt.

Die Sanierung des 1978 erbauten Tunnels, durch den die A 81 zwischen Stuttgart und Singen an Herrenberg vorbeiführt, war dringend nötig. Zwei Jahre lang wurden die Röhren baulich wie sicherheitstechnisch saniert – erst die Weströhre, dann die Oströhre: Die Fahrbahn wurde erneuert, Risse in der Bausubstanz geschlossen, Beton ausgetauscht, ein Schutzanstrich aufgetragen und die Gehwege verbessert. Sicherheitstechnisch galt es beim Brandschutz, bei der Beleuchtung, Lüftung und  Löschwasserversorgung nachzurüsten, Videokameras und eine Anlage zur Streckenbeeinflussung wurden eingebaut .

Vor allem wegen einer defekten Brandmeldeanlage kam es im Laufe der zwei Jahre zu zehn ungeplanten Sperrungen. „Natürlich gab es da Verkehrsbehinderungen“, sagt Matthias Kreuzinger, Presserefent des Stuttgarter Regierungspräsidiums. Im November 2015 wurde die Anlage komplett ausgetauscht. Seither sind die Störungen vorbei.

Die Oströhre für den Verkehr Richtung Stuttgart ist freigegeben. Für zwei Wochen gilt noch Tempo 80 für letzte Arbeiten. Die Freigabe Richtung Singen ist für 5. Juni  geplant.

Teurer als gedacht

Mehrkosten Die Tunnelsanierung bei Herrenberg kostet rund 27 Millionen Euro, veranschlagt waren knapp 24 Millionen. „Bei solchen Arbeiten kommt fast immer noch etwas Unvorhergesehenes hinzu“, sagt Rolf Huber, der das ganze Sanierungsprojekt leitet. So mussten zwei Brücken zusätzlich saniert werden,  ebenso waren Feuerwehrzufahrten zum Tunnel fällig und und der Hochbehälter für das Löschwasser. del

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