Fall Wörz: Wahrer Täter läuft frei rum

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Harry Wörz verlangt eine weitere Suche nach dem Täter.  Foto: 

„Was ist angemessen, wenn man einem Menschen das Leben zerstört“, fragte Harry Wörz gestern in Pforzheim. Der 50-Jährige aus Birkenfeld (Enzkreis) einigte sich im Dezember 2016 mit dem Land auf eine Entschädigung von 450.000 Euro. Damit sind auch Einkommensverluste und Ausgaben für eine fast zwanzigjährige Prozess-Odyssee abgegolten. Wörz saß nach einer Verurteilung wegen versuchten Totschlags von 1998 an viereinhalb Jahre in Haft, seine Unschuld wurde nach mehreren Verhandlungen durch alle Instanzen im Dezember 2010 vom Bundesgerichtshof festgestellt.

Den Abschluss des Finanzstreits durch eine außergerichtliche Einigung begründete Wörz mit seiner angeschlagenen Gesundheit. Dem Installateur, der sich zum Bauzeichner weiterbildete, haben Haft und Gerichtsmarathon so zugesetzt, dass er nicht arbeiten kann. Er habe Depressionen, Schlaf- und Konzentrationsstörungen, zählte Wörz auf.

Von den 450.000 Euro seien 190.000 Euro als Steuer bezahlt worden, sagte Anwältin Sandra Forkert-Hosser. Wörz blieben 600 Euro pro Monat. Sie berichtete von der Feilscherei mit dem Land, das zunächst 200 000 Euro angeboten habe. Ihr Mandant habe 2014 bereits 184 000 Euro bekommen vor allem als Haftentschädigung und Lohnausfall; auch dieser Betrag sei versteuert worden.

Seine Auslagen wegen des Justizirrtums seien nicht voll erstattet worden, kritisierte Wörz. Das Land habe nur bezahlt, was als „notwendig“ angesehen worden sei. Von der Rechnung des Revisionsanwalts über 21.307,92 Euro seien 1160,35 Euro ersetzt worden, nannte er ein Beispiel.

Wörz war verurteilt worden, weil er seine getrennt von ihm lebende Frau erdrosselt haben soll. Er war schwer belastet worden, weil sich die Polizei Schlampereien mit Akten und Asservaten leistete. Wer das Verbrechen begangen hat, ist unklar. Das Landgericht Mannheim ging 2009 davon aus, dass der Liebhaber der Frau, ein verheirateter Polizist, der „wahrscheinlichste Täter“ gewesen sei. Die Ermittlungen wurden 2013 ergebnislos eingestellt. „Es läuft immer noch einer rum“, bedauerte Wörz und verlangte eine weitere Suche nach dem wahren Täter.

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