Ex-Militärs zu Besuch bei Friedenskämpfern

Ein historisches Treffen: 25 Jahre nach der Abrüstungsvereinbarung zum Abbau von Mittelstreckenraketen zwischen den USA und der Sowjetunion sind Zeitzeugen nach Mutlangen zurückgekehrt.

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Zeitzeuge in der Mutlanger Heide: Der frühere US-General Raymond Haddock, einst Chef des Pershing-Kommandos, vor einem der alten Bunker. Foto: dpa

An ein wichtiges Kapitel der Friedensbewegung wurde gestern in Mutlangen (Ostalbkreis) erinnert. 25 Jahre nach Einigung der USA und der Sowjetunion auf Abbau von Mittelstreckenraketen mit Atomsprengköpfen trafen sich frühere Militärs aus Ost und West mit Pershing-Demonstranten von einst. "Das wäre damals nicht einmal in meinem Alptraum möglich gewesen", sagte der frühere Sowjet-Militärangehörige Nikolai Skiba.

Tausende hatten in den 1980er Jahren in Mutlangen gegen die Stationierung der US-Raketen vom Typ Pershing II demonstriert. Nach Skibas Ansicht hat die Friedensbewegung in Deutschland eine wichtige Rolle beim Zustandekommen des Abrüstungsvertrags vom 8. Dezember 1987 gespielt. Raymond Haddock, Ex-Chef des Pershing-Kommandos sieht das anders: Die Demonstrationen hätten den Prozess nur verzögert, sagte der Ex-General in Mutlangen. Er habe die Aktivisten aber nicht als Gegner gesehen. "Die Demonstranten hatten ihr demokratisches Recht dazu, aber die Soldaten hatten auch ihre Pflicht, die sie erfüllen mussten."

Unter den Zeitzeugen gestern waren Peter Schulz, in der DDR Offizier der Volksarmee, und Willi Burger, Ex-Einsatzleiter der Landespolizei, dazu Friedensforscher Wolfgang Sternstein und Friedensaktivist Wolfgang Schupp-Hauck. "Das ist ein ermutigendes Zeichen und gibt Ansporn, auf dem Weg weiterzumachen", sagte Bürgermeister Peter Seyfried (CDU) über das Treffen.

Das Gelände der früheren Raketenbasis dient heute vor allem als Wohngebiet. Zwei Bunker und ein Geschichtspfad erinnern an den Kalten Krieg. Auch die Mutlanger Friedenswerkstatt ist noch da. Die Aktivisten treibt weiter eine Vision an: Eine Welt ohne Atomwaffen.

Auch Schlupp-Hauk kämpft bis heute dafür. "Das Neinsagen hat mir nicht ausgereicht, ich wollte dem Militarismus auch was entgegensetzen", sagte der heute 54-Jährige. 1983 war er bei den Blockaden dabei und beim Einrichten der "Pressehütte" zum Verbreiten der Meldungen von den Pershing-Protesten. "Die Hütte" war Herz der Mutlanger Bewegung. Auch wenn die Raketen dann doch stationiert wurden und der Abrüstungsvertrag erst 1987 kam, der Protest ging weiter. Mit Schlupp-Hauck, der heute einen Behördenjob hat - und für die Kampagne "Atomwaffenfrei jetzt" wirbt, für den Abzug der noch in der Eifel stationierten Atombomben.

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