Ex-Gauck-Sprecher wird Kretschmanns Mann in Berlin

Mit Volker Ratzmann und Andreas Schulze ziehen zwei Parteifreunde von Winfried Kretschmann die Fäden in der Südwest-Botschaft an der Spree.

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Die Berliner Landesvertretung von Baden-Württemberg ist jetzt fest in der Hand der Grünen. Nachdem Volker Ratzmann (56) im Juni zum beamteten Staatssekretär und – in dieser Funktion Nachfolger von SPD-Bundesratsminister Peter Friedrich – Bevollmächtigten des Landes beim Bund aufstieg, rückte nun Andreas Schulze auf dessen bisherige Position als Leiter der Politischen Abteilung nach. Ratzmann und Schulze sind Parteifreunde von Ministerpräsident Winfried Kretschmann und gelten seit langem als strategische Köpfe der Grünen – über ihren angestammten Berliner Landesverband hinaus.

Die Berufung Schulzes, der 1964 in Ost-Berlin geboren wurde und zuletzt für Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit im Bundespräsidialamt verantwortlich war, kam auch für Beobachter in der Bundeshauptstadt zu diesem Zeitpunkt überraschend. Schulze hatte sich gerade erst zum Personalratsvorsitzenden seiner Behörde wählen lassen. Doch das kurzfristige Angebot, in die Landesvertretung Baden-Württemberg zu wechseln, offenbar mit dem Hinweis verbunden, die vakante Stelle müsse zeitnah besetzt werden, um nicht bei anderen Interessenten Begehrlichkeit zu wecken.

Schulze gehörte von 1990 bis 1993 und dann wieder von 1997 bis 2001 dem Landesvorstand der Grünen in Berlin an, vier Jahre lang als Sprecher. Danach berief ihn seine langjährige Förderin Renate Künast in die Pressestelle des von ihr geleiteten Bundesministeriums für Verbraucherschutz.

2006 ging Schulze als Pressesprecher zur Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen, der Grünen Marianne Birthler. Schon bei Joachim Gaucks erster Kandidatur für das Amt des Bundespräsidenten 2010 gehörte Schulze zu dessen Team, seit Gaucks Wahl im März 2012 war er einer der wichtigsten Berater des Staatsoberhaupts.

Für Schulze, der sich vor der Wende 1989 im ökologischen „Netzwerk Arche“ der evangelischen Kirche der DDR engagierte, Punk-Rock liebt und Anhänger des Fußball-Zweitligisten Union Berlin ist, lohnt sich der Wechsel an die Spitze der Politischen Abteilung in der baden-württembergischen Landesvertretung erkennbar: Er steigt von Besoldungsgruppe B 3 (rund 7800 Euro Grundgehalt) nach B 6 (9200 Euro) auf. Er soll seinen Partei-Spezi Ratzmann, ebenso wie Schulze ein alter Weggefährte von Renate Künast, bei der Koordinierung der von den Grünen (mit-)regierten Länder unterstützen und eigene Kontakte zur Bundestagsfraktion der Grünen und zu befreundeten Verbänden pflegen.

Als nützlich könnten sich auch Schulzes Kampagnen-Erfahrungen mit Gauck erweisen, sollte Kretschmann – trotz seines ja nicht unbedingt kategorischen Dementis – am Ende doch zum Kandidaten von Union, SPD und Grünen für die Nachfolge des Bundespräsidenten nominiert werden. Für den Fall eines Einzugs des Ministerpräsidenten im Frühjahr 2017 ins Schloss Bellevue wäre Schulze besonders hilfreich – als ehemaliger Personalratschef des Präsidialamtes mit besten Kenntnissen des dortigen Apparats.          

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