Kommentar zu erschossenem Wolf: Der Feind im Revier

Dass der Wolf in Baden-Württemberg erschossen wurde, zeigt: Es gibt noch immer irrationale Vorbehalte. Eine harte Strafe könnte den Lernprozess beschleunigen. Ein Kommentar.

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Als der tote Wolf vor einem Monat mit ominösen „Brustverletzungen“ aus dem Schluchsee gezogen wurde, lag der Verdacht bereits nahe. Nun ist es Gewissheit: Das Raubtier wurde erschossen – und offenbar im See versenkt, um den illegalen Abschuss zu vertuschen. Welch ein Armutszeugnis.

Allen Beteuerungen der Politik zum Trotz: Es gibt in Teilen der Bevölkerung noch immer Vorbehalte gegen Wildtiere wie Wolf, Bär oder Luchs. Sei es aus der irrationalen Angst, beim Waldspaziergang nicht mehr ganz an der Spitze der Nahrungskette zu stehen. Sei es, dass mancher Jäger die Tiere als unliebsame Konkurrenz im Revier betrachtet. Insgesamt 24 illegal getötete Wölfe in Deutschland sprechen für sich.

In Baden-Württemberg hat die Politik viel versucht, um im „Wolfserwartungsland“ für positive Stimmung zu sorgen. Es hat wohl nicht gereicht: Nun, da die Tiere da sind, überlebt keines lange im Südwesten. Zwei starben auf der Autobahn, der Einwanderer aus Niedersachsen fiel einer Kugel zum Opfer. Die Erfahrungen anderer Bundesländer zeigen, dass es oft einen längeren Lernprozess braucht, bis es einigermaßen funktioniert zwischen Mensch und Wolf. Den Täter zu finden und hart zu bestrafen, könnte als deutliches Signal dabei helfen.

Aus Bayern kam indes kürzlich eine gute Nachricht: Erstmals seit 150 Jahren bekam ein Wolfspärchen im Bayerischen Wald Nachwuchs. Es geht doch.

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Kommentare

09.08.2017 10:22 Uhr

Irrationale Vorbehalte

Lieber Herr Könneke ,

ein weißer Mann sagte einmal " Die Toleranz gegenüber Wolf, Bär und Luchs wächst proportional zum Stockwerk in dem der Gefragte wohnt.".

Aus meiner Warte, der ich als Tierhalter in Alleinlage wohne, ist für große Beutegreifer wie die oben genannten in unserer heutigen zersiedelten Kulturlandschaft leider kein Platz mehr.
Oder was schlagen Sie vor wie wir zukünftig Rinder auf Almen, Schafe auf Deichen, und , und, und, schützen sollen ?!
Wenn Sie das erste Lamm mit der Flasche aufgezogen haben, es einen Namen hat und mit Ihren Kindern spielt, und dieses dann vom Wolf gerissen ist, frage ich Sie nochmal ob Sie mit der angebotenen Ausgleichssumme zufrieden sind.
Außerdem ist im Speziellen gerade der Wolf, zugewandert aus dem Osten, in keinster Weise im Bestand gefährdet.
Dennoch werden Millionen für wenige Individuen ausgegeben die andernorts zum Erhalt der Natur wahre Wunder bewirken würden.
Dem Wappentier Württembergs, dem Hirsch, wird aus rein wirtschaftlichen Gründen übrigens keine solche Freizügigkeit eingeräumt wie dem zum Politliebling erklärtem Wolf.
Verlässt Rotwild das ihm zugestandene Gebiet so muss es per Gesetz erlegt werden.

Aber auch in diesem Fall wird unserer Bevölkerung von oben herab diktiert was sie zu denken hat.
Hierbei tragen Aussagen in der Presse wie die Ihre einen nicht unerheblichen Anteil.

Der Abschuss des Wolfes im Schwarzwald zeigt mir nicht, so wie Ihnen, daß sich da wohl jemand durch Zitat "irrationale Vorbehalte" hat leiten lassen.
Ich sehe darin ein deutliches Zeichen dafür, daß offensichtlich schon der ein oder andere sich nicht mehr anders wie durch das Begehen einer Straftat gegen die Politik zu wehren weiß.

Die Tat selbst ist außer Frage zu verurteilen.
Selbstjustiz kann nie eine Lösung sein. Und daß gerade so eine Tat sicherlich nicht zu einer wirklich objektiven Beurteilung der Gesetzgebung beiträgt dürfte sogar dem Schützen klar sein.

Die Beweggründe allerdings schlicht als irrational abzutun und nach einer möglichst harten Strafe zu rufen passt leider all zu gut in unsere momentane gleichgeschaltete Berichterstattung.
Vielleicht sollten sich unsere Politiker und auch die Presse eher auch fragen ob man wirklich im Sinne der betroffenen Bevölkerung agiert wenn so etwas passiert.
Ohne absolute Unwissenheit oder gar Konkurrenzdenken als Motiv vorauszusetzen.

Vielleicht habe ich Sie ja dazu angeregt Ihre Sichtweise zumindest in Teilen nochmal zu überdenken.







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