Erinnerungen von Heimkindern: Zur Strafe in den Schweinestall

Im Gästebuch der Heimkinder-Ausstellung haben sich viele Betroffener verewigt. Meist steht keine Name dabei, aber die Schilderungen sind ergreifend.

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Im Gästebuch der Ausstellung gibt es viele Einträge Betroffener, meist ohne Namen. Ein Mann, der im Ulmer Haus „Guter Hirte“ war, notiert: „Wenn die Erinnerungen in mir aufgehen und ich es wieder erlebe, bin ich total durcheinander. Ich kann nicht mehr richtig denken und bin furchtbar geschockt + traurig. Ich bin schusselig, meine Magengrube tut mir weh. Ich habe keinen Hunger mehr. Es gibt viele Außenstehende, die nichts mehr wissen wollen von dem Elend. Ein bisschen befreit mich die ganze Vergangenheit, wenn ich verstanden und akzeptiert werde.“ Weitere Einträge:

„Ich habe 40 Jahre geschwiegen und vergessen und plötzlich ist alles wieder präsent. Die Jugendämter MUSSTEN Bescheid gewusst haben. Ignoranz?“

„Öffentlich machen und teilen von Leid beendet die Isolation und weckt den Respekt vor der eigenen Lebensbiographie.“

„Ich habe bis zum meinem 19. Lebensjahr im Heim verbracht und viel Schlimmes und Erniedrigung erfahren. Ich versuche zu vergessen, es geht nicht.“

„Ich bin dankbar überlebt zu haben, aber ich habe so viele zerbrechen sehen, bis zur Selbsttötung.“

„Mich haben die Nonnen sogar in den Schweinestall gesteckt. Ich kann jetzt nicht mehr weiter schreiben, es kommt zu viel hoch in mir.“

„Wir haben unser Leben nicht verschuldet, mussten aber für die Unfähigkeit von Erwachsenen einstehen.“

„Mit all den Misshandlungen wäre ich fast verhungert und gestorben. Heute lebe ich im Elsass und bin froh, diese Hölle in Deutschland überlebt zu haben. Ich habe allen meinen Peinigern vergeben.“

„Tag und Nacht war man für uns da ohne Misshandlungen, sondern mit Liebe und Geborgenheit. Ohne diese Schwestern wäre mein Leben nicht so positiv verlaufen.“

„Die Ausstellung ist wichtig und richtig, aber leider viel zu weichgespült.“

„Es ist einfach erschütternd, mit welcher Einstellung, mit welcher Empfindungslosigkeit und Grausamkeit traumatisierte Kinder behandelt wurden.“

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