Erfolg mit Familienferien

Wie lockt man mehr Familien zum Urlaub in den Südwesten? Darüber zerbrach sich der Tourismusverband in Ulm den Kopf. Positive Beispiele gibt es: etwa Immenstaad. Und auch für Großstädte gibt es Ideen.

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Sollen nach Wunsch der Tourismus-Branche gezielt nach Baden-Württemberg gelockt werden: Familien. Foto: Fotolia

Am meisten umworben im Tourismus sind derzeit die "Best-Ager", die rüstigen und finanziell gut dastehenden Alten, deren Zahl stetig steigt. Tendenziell rückläufig sei dagegen die Zahl der Haushalte mit Kindern, sagte Andreas Braun, Geschäftsführer der Tourismusgesellschaft Baden-Württemberg (TMBW). Dies dürfe aber nicht dazu verleiten, familienfreundliche Urlaubsmöglichkeiten im Land zu vernachlässigen. "Wir sind nicht schlecht aufgestellt, aber wir wollen besser werden", sagte Braun vor rund 100 Delegierten des Tourismusverbands in Ulm.

173 der 203 Teilnehmer am Landeswettbewerb "Familien-Ferien" haben in diesem Jahr die Auszeichnung "Familienfreundliche Gastgeber" erhalten. Vier Regionen sind darunter, außerdem Gemeinden, Hotels, Gastronomiebetriebe und Erlebniseinrichtungen. Alle Gewinner präsentieren sich in der neuen Broschüre "Familien-Ferien", 2013 unter dem Motto "Märchen und Sagen". Südschwarzwald und Bodensee sind gut vertreten, spärlicher die Schwäbische Alb und der Norden des Landes.

Trotz rückläufiger Zahlen bleiben Familien eine wichtige Zielgruppe, sagte Henrike Beer von der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen. Von 70 Millionen Urlaubsreisen mit mehr als fünf Tagen im Jahr sind 13 Millionen Reisen mit Kindern. 67 Prozent davon gehen ins Ausland. Bei den Inlandsreisezielen liegt Baden-Württemberg an fünfter Stelle - hinter Mecklenburg-Vorpommern, Bayern, Schleswig-Holstein und Niedersachsen.

Wird nach dem Reiseziel-Image gefragt, loben Urlauber für Baden-Württemberg überdurchschnittlich mit: "schöne Landschaft", "interessante Städte", "gute Radfahrmöglichkeiten" sowie "gastfreundliche Bevölkerung". Der Aspekt "Geeignet für Urlaub mit Kindern" liegt dagegen darunter, sagte Henrike Beer. Überhaupt nicht genannt wird Baden-Württemberg bei der Frage "Welche Urlaubsziele (Orte, Regionen) in Deutschland halten Sie für einen Familienurlaub besonders geeignet?". Hier steht "Ostsee" an der Spitze, Platz drei erreicht "Bayern" auf Rang vier steht "Schwarzwald" und auf dem siebten Platz von zehn "Bodensee". Deutliche Hinweise, dass das Land sein Image als Familienreiseland noch aufwerten könne, sagte Beer.

Als familienfreundlicher Ferienort hat sich beispielsweise Immen-staad am Bodensee positioniert. Wie Ute Stegmann, Leiterin der Touristinformation, berichtete, richte sich das Marketing der Stadt ausschließlich an Familien. In den Ferienwochen gebe es ein durchgängiges Programm, das Angebot reiche vom Naturbadestrand am See bis zum Hochseilgarten für ältere Kinder, von Wickelmöglichkeiten bis zur Erlebnisgolfanlage. Der Renner in diesem Jahr seien Piratenfahrten auf der "Lädine" - ein historischer Lastkahn - mit Schatzsuche gewesen. "Natürlich trägt jedes Kind ein Piratenkostüm." Seit 1998 zähle Immenstaad zu den "Familienfreundlichen", das Konzept habe sich "voll und ganz bewährt". Von 2280 Gästebetten entfielen 1500 auf von Familien bevorzugte Ferienwohnungen. Die ebenfalls als familienfreundlich zertifizierten Betriebe seien überdurchschnittlich ausgelastet. Trotz einseitiger Ausrichtung blieben andere Gäste nicht aus, sagte Stegmann: "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Kinder am Ort beleben und sich ältere Gäste von deren Aktivitäten sogar anstecken lassen."

Im boomenden Städtetourismus spielten Familien bisher keine Rolle, obwohl es hier Riesen-Möglichkeiten gebe, betonte die Freizeitforscherin Beer. Kindermuseum, Erlebnisbad, Wildpark - genügend Einrichtungen, um Familien anzusprechen, hätten die Städte.

Wie TMBW-Geschäftsführer Andreas Braun sagte, bahne sich in Stuttgart mit Umland gerade "eine kleine Revolution" an. Derzeit würden Betriebe und Stadt intensiv an einem Konzept arbeiten, passende Urlaubspakete für Familien zu schnüren, in dem der ÖPNV, Museen und andere Einrichtungen, Restaurants und Beherbergungsbetriebe gemeinsame Angebote ausarbeiteten. Er rechne damit, dass die Landeshauptstadt spätestens 2014 als "familienfreundliche Stadt" die Kriterien der "Familienfreundlichen" erfülle und in den Urlaubskatalog komme.

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