Entscheidung über neues KSC-Stadion in Karlsruhe

Die Kosten für das geplante KSC-Stadion sollen um fast 30 Millionen Euro steigen. Im Gemeinderat werden Gegenstimmen laut.

|

Wenn es um das Aushängeschild „KSC“ geht, sind sich die Karlsruher meist einig – seit mehr als zehn Jahren ist eine neue Spielstätte geplant. „Der Ball liegt auf dem Elfmeter-Punkt, jetzt muss er nur noch rein“, so beschreiben manche die aktuelle Situation. Am heutigen Dienstag soll mit einem Gemeinderatsentscheid „Baurecht“ geschaffen und die Ausschreibung vorbereitet werden. Doch kurz vor dem Beschluss mehren sich kritische Stimmen, die vor einem „neuen finanziellen Abenteuer“ warnen. Am Freitag hatte der Oberbürgermeister weitere Kostensteigerungen gestanden.

Bereits 2014 war ein Gesamtkonzept vorgestellt worden, das die Kosten für das neue Wildparkstadion samt Parkhaus auf 88 Millionen Euro taxiert hatte. Elf Millionen Euro sind bereits seit 2010 im Landeshaushalt als Zuschuss „geparkt“. Doch mit den konkretisierten Plänen kommen nun 28,6 Millionen Euro für die Infrastruktur im Umfeld des Stadionbaus hinzu. Die Stadt will das Vorhaben überwiegend über Kredite finanzieren und die rund 74 Millionen Euro Nettobaukosten in 20 Jahren durch Pachtzahlungen des KSC refinanzieren. Das mittlerweile 114 Millionen Euro teure Vorhaben ist ein Wahlkampfversprechen von Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD). Sein Verhandlungspartner ist KSC-Präsident Ingo Wellenreuther, der auch CDU-Chef ist.

Das ergibt eine pikante Note: Der CDU-Bundestagsabgeordnete war 2012 Mentrups OB-Wahlkonkurrent. Immer wieder stellte Wellenreuther Nachforderungen beim Stadionbau, zuletzt wollte er „Mitsprache beim Bauablauf“. Ohne dass der Verein bislang einen einzigen Cent zum Bauvorhaben beisteuern würde. Das Recht auf Mitsprache wies Mentrup regelmäßig zurück: die Stadt „sei Herr des Verfahrens“. Doch das gemeinsame Ziel eint: ein in die Jahre gekommenes Stadion durch eine  neue Spielstätte zu ersetzen. Das neue Großprojekt stößt jedoch auf Widerstand, weil der Gemeinderat gleichzeitig Einschnitte im kulturellen und sozialen Bereich angekündigt hatte – als „Haushaltsstabilisierungsprozess“. Die Bürger würden erwarten, dass das Stadion auf den Prüfstand gestellt wird, heißt es nun.

Die Grünen, mit derzeit neun Sitzen drittgrößte Gruppierung im Gemeinderat, kritisieren vor allem, dass „die Stadt alle Kostenrisiken trage“. Bei einer Zugehörigkeit zur Ersten Bundesliga würden für den Verein 3,5 Millionen im Jahr an Pacht fällig werden, in der Zweiten Bundesliga immerhin noch 1,5 Millionen Euro. Die Stadt kalkuliert „mit mindestens zwei von zehn Spielzeiten in der Ersten Liga“, andernfalls würde der Wirtschaftsplan „undurchführbar“. Geplant sind 35 000 überdachte Zuschauerplätze.

Grünen-Sprecher Johannes Honné verweist darauf, dass sich die Miete für den KSC von bisher 400 000 Euro inklusive der Geschäftsstelle „auf zukünftig rund zwei Millionen Euro pro Jahr verfünffachen würde“. Die Stadt werde womöglich „auf einem Großteil der Kosten sitzen bleiben“. Zudem könnte es Kollisionen mit EU-Recht geben, wenn die Stadt mit Summen von mehr als 50 Millionen Euro auf Kredit einen Verein „subventioniert“.

Die fünfköpfige „KULT“-Fraktion forderte nun, dass der Karlsruher SC bis zur Fertigstellung des Stadions weitere Rücklagen für Pacht und Instandhaltung in Höhe von 3,5 Millionen Euro anlegen müsse. KULT-Stadtrat Lüppo Cramer will zudem Einblick in den Pachtvertrag.            

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Dieb bedankt sich für Beute

Ein unbekannter Dieb hat aus einem unverschlossenen Auto in Ellwangen teure Sportkleidung gestohlen und sich dafür per Brief bedankt. weiter lesen