Land am Rand: Entgiften mit Tine Taufrisch

Akzeptanz durch Penetranz ist alt. Neu ist: Ruhm durch Penetranz. Zumindest bei berufsjugendlichen Autoren ein Mittel zum Entschlacken, meint Redakteur Tobias Knaak.

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Sie kennen diese Menschen bestimmt. Die Chucks sitzen perfekt am Fuß. Die Jeans liegt schön schlank am Bein. Das T-Shirt betont die in mühevollen Stunden aufgebauten Muskeln am Oberkörper. Und wenn der weiße Bart und die weißen Haare auf dem sonnengebräunten Kopf noch akkurat gestutzt sind, dann wissen Sie, wer vor Ihnen steht: ein Berufsjugendlicher, für den 60 das neue 35 ist. Berufsjugendlichkeit muss aber nicht nur in Äußerlichkeiten Ausdruck finden. Es geht auch in der Sprache. Etwa wenn Buchautorinnen ihr Werk derart aufgeregt-aufdringlich anpreisen, dass die dauerüberdrehten Moderatoren der Musik-TV-Sender geradezu wie narkotisiert wirken. Vor kurzem erreichte die Redaktion nämlich eine Mail. Darin bringt eine Autorin gleich fünfmal in einem fünfzeiligen Absatz den Titel ihres Buches unter: „Detox, Baby!“ Wie nochmal? „Detox, Baby!“ Ah ja, es geht vermutlich um Detox, ums Entschlacken, Entgiften, Abnehmen. Gute Idee eigentlich, die sie den „lieben Gesundheitsfans, Wildpflanzenfreunden, Rohkostinspirierten und Ernährungsfreaks“ da verkaufen will, aber die Umsetzung...

Das Motto „Ruhm durch Penetranz“ greift an dieser Stelle zumindest nicht. Eher stellt sich „Brechreiz durch Redundanz“ ein. Und so kann das mit dem Entschlacken ja wirklich nicht gemeint sein. Beim Lesen der Mail gelangt man jedenfalls unweigerlich zu der Frage, ob manche Menschen nicht geistig entschlacken sollten. Vielleicht fühlt man sich dann so, wie der Blog der Autorin heißt: „Tine Taufrisch“.

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