ENBW baut Rampe für Atommüll

Eine neue Kaianlage beim Kernkraftwerk Neckarwestheim lehnen Naturschützer strikt ab. Sie wollen damit auch verhindern, dass Atommüll aus dem Meiler Obrigheim auf dem Neckar transportiert werden kann.

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Kernkraftwerk Neckarwestheim: Noch Platz für 342 hochradioaktive Brennelemente aus Obrigheim.  Foto: 

Für den Ausstieg aus der Atomenergie müssen neue Bauwerke errichtet werden. An den Kernkraftwerken in Neckarwestheim und Philippsburg werden "Reststoffbearbeitungszentren" und "Standort-Abfalllager" benötigt. Damit nicht genug: In Neckarwestheim will die ENBW eine neue Kaianlage mit einer Spezialrampe bauen lassen, damit beim Abbruch der beiden Meiler anfallendes Material auf dem Neckar weggeschafft werden kann. Geplant sind eine 160 Meter lange Stahlspundwand und eine 28 Meter lange Rampe, über die beladene Lastwagen direkt aufs und vom Schiff rollen können. Diese Methode kürzen Fachleute mit "RoRo" ab und meinen damit das englische "Roll on - Roll off".

Den Kai wollen Bund für Umwelt- und Naturschutz, Landesnaturschutzverband und Naturschutzbund verhindern. Sie befürchten neben erheblichen Auswirkungen auf die Landschaft mit ihrer Tier- und Pflanzenwelt ein unkalkulierbares Risiko, wenn dank dieser RoRo-Rampe auch Atommüll von Obrigheim auf dem Wasser nach Neckarwestheim gebracht werden kann. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass das Schiff kentere. "Das könnte katastrophale Folgen haben bis Köln und Holland", betonte Gottfried May-Stürmer vom BUND.

Im Atomkraftwerk Obrigheim, das derzeit demontiert wird, befinden sich noch 342 hochradioaktive Brennelemente. Um den Bau eines Zwischenlagers auf dem Areal zu sparen, möchte die ENBW das gefährliche Material in 15 Castor-Container packen und nach Neckarwestheim bringen, wo in einem unterirdischen Depot genügend Platz wäre.

Bevor entschieden ist, ob tatsächlich der Wasserweg benutzt wird, schaffte die ENBW Fakten. Sie ließ für den vielleicht nötigen Kai vor einem Jahr einen Hektar Wald abholzen. Das grüne Licht dazu gaben die Forstexperten des Regierungspräsidiums Tübingen. Eine Umweltverträglichkeitsprüfung fand nicht statt, negative Folgen für Flora und Fauna wurden angeblich nicht gesehen. Kritik am Vorgehen der Bürokraten wies das Landratsamt Heilbronn jetzt bei einem Erörterungstermin zurück: "Ein Umweltschaden entsteht nicht, weil die Genehmigung da ist."

Das Verhalten der Behörden ist nach Auffassung des BUND "stark fehlerhaft". In den Amtsstube wird die Ansicht vertreten, dass "keine erheblichen nachteiligen Umweltauswirkungen" zu erwarten sind. Deshalb haben die Aufpasser offenbar nichts dagegen, wenn Bagger für den Kai 4000 Kubikmeter Erde entfernen. Auch glauben die Beamten, dass "Allgemeinwohlbelange" nicht berührt seien. Ohne Widerspruch konnten ENBW-Vertreter behaupten, es werde "keine erheblichen Eingriffe in den Naturhaushalt oder das Landschaftsbild" geben.

Jürgen Schlenker vom Landesnaturschutzverband ärgert das Verhalten: "Mich haut es fast vom Stuhl, das ist doch kein kleiner Bootssteg, das Atomkraftwerk greift in den Neckar ein."

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